Holm Sundhaussen

Sarajewo

Die Geschichte einer Stadt
Cover: Sarajewo
Böhlau Verlag, Köln 2014
ISBN 9783205795179
Gebunden, 410 Seiten, 34,90 EUR

Klappentext

Mit 31 farbigen und 30 S/W-Abbildungen. Mit Sarajewo verbinden sich vielfältige Assoziationen: Stadt des Attentats von 1914, Stadt der Winterolympiade von 1984, belagerte Stadt 1992-1996, Stadt der Toleranz und Stadt des Hasses, Damaskus des Nordens, Jerusalem Europas und Klein-Jerusalem. Die Geschichte Sarajevos ist zu großen Teilen eine Geschichte von Zerstörung und Wiederaufbau, erneuter Zerstörung und erneutem Wiederaufbau. Es ist eine Geschichte von Multikulturalität und Interkulturalität. Das jahrhundertelange Nebeneinander, Miteinander und Gegeneinander von Muslimen, Orthodoxen, Katholiken und Juden kennzeichnet Sarajevo wie kaum eine andere Stadt in Europa.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.10.2014

Rezensentin Judith Leister liest das Buch des Südosteuropa-Historikers Holms Sundhaussen über Sarajewo mit Begeisterung und großem Gewinn. Farbig und leicht verständlich, so Leister, breitet der Autor die Biografie der Stadt Sarajewo vor dem Leser aus. Deutlich wird für Leister die Lage der Stadt zwischen Orient und Okzident, aber auch die gesamte Geschichte Bosniens. Sie begreift, wie politisch die Geschichte im Fall Bosniens und Sarajevos ist, wie sehr geprägt durch die verschiedenen ethnoreligiösen Gruppen und Narrative. Der Autor bedeutet ihr, wie wenig hilfreich da ein Denken in Dichotomien ist, und dass es Multikulti in Sarajewo kaum gegeben hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.06.2014

Das kleine Einmaleins des Stadthistorikers (Topografie erspüren, historische Telefonbücher wälzen etc.) beherrscht der Autor laut Michael Martens leider nicht. So gerät Holm Sundhaussens Geschichte Sarajevos für Martens höchstens ansatzweise, zu selten jedenfalls, zur Stadtgeschichte. Meistenteils, erklärt Martens, bleibt der Autor an der Oberfläche oder schweift ab zu einer Geschichte Bosniens beziehungsweise zu Regionalhistorie. Dies obgleich der Autor schreiben kann, nicht mythologisiert oder verkitscht und anfangs auch gute Fragen zum Schreiben über Städte stellt, wie Martens einräumt. Beim Lesen von Zeitzeugenberichten aus der Zeit des Osmanischen Reichs ahnt der Rezensent immerhin, was aus dem Buch hätte werden können.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.03.2014

Norbert Mappes-Niediek weiß Holm Sundhaussens instruktive Geschichte Sarajevos zu schätzen. Er attestiert dem Südosteuropa-Historiker, dem "spirit" der Stadt mit Sympathie, aber ohne Schwärmerei nachzuspüren. Der Rezensent geht insbesondere auf Sundhaussens Ausführungen über das Zusammenleben der verschiedenen Religionsgemeinschaften in der Geschichte der Stadt ein. Die Lektüre des Buchs scheint ihm wegen des "unprofessoralen" Erzählens des Autors anregend. Wohltuend empfindet Mappes-Niediek dabei auch den Verzicht auf Spekulationen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.03.2014

Florian Hassel freut sich nach dem großen Werk über "Jugoslawien und seine Nachfolgestaaten 1943-2011" von 2012 des emeritierten Berliner Historikers Holm Sundhaussen nun an seinem jüngsten Buch über die Geschichte von Sarajewo. Mit diesem faszinierenden Band kann sich in den Augen des höchst zufriedenen Rezensenten nur Robert Donias Buch über Sarajewo messen, dessen besondere Stärken in eigenen Beobachtungen und Erlebnissen in Sarajewo liegen. Sundhaussen dagegen überzeugt ihn insbesondere durch seine detaillierte Darstellung der früheren Geschichte der Stadt, die im 17. Jahrhundert unter osmanischer Herrschaft zu Wohlstand kam, einen zweiten Aufschwung unter der österreichisch-ungarischen Krone erlebte und schließlich während des jugoslawischen Kommunismus noch einmal zu überraschender Blüte kam. Nach den Verheerungen des Jugoslawienkrieges ist Sarajewos Altstadt heute wiederhergestellt, doch der Autor fürchtet, dass, indem Serben und Kroaten nur noch einen kleinen Teil der Bevölkerung ausmachen, die Stadt ihre multiethnische "Seele" verliert, wie der Rezensent notiert.
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