Hiromi Kawakami

Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß

Eine Liebesgeschichte
Cover: Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß
Carl Hanser Verlag, München 2008
ISBN 9783446209992
Gebunden, 189 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe und Kimiko Nakayama-Ziegler. Tsukiko ist achtunddreißig und lebt allein. Zur Liebe, glaubt sie, sei sie nicht begabt. Da trifft sie in einer Kneipe ihren alten Japanisch-Lehrer wieder, den sie nur den Sensei nennt. Auch er lebt allein, in einer etwas verwahrlosten Wohnung, wo er merkwürdige Gegenstände sammelt. Einer sucht die Nähe des anderen und scheint gleichzeitig vor ihr zu fliehen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.05.2008

Für Hubert Winkels hat Hiromi Kawakamis "Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß" das Zeug, zum "Liebesroman des Jahres" aufzusteigen. Erzählt wird ganz sacht, ganz behutsam die Liebe zwischen einer Frau Ende dreißig und ihrem fast doppelt so alten Lehrer, wobei mehr von Walfischspeck, Reiscrackern und Lotosknollen die Rede ist als von den Gefühlen. Und doch empfindet ihn Winkels als "sinnlos schön", "sinnlos glücklich", wie er im Aufmacher des Literaturteils ausführlich, aber durchaus überzeugend schwärmt. Nur entscheiden kann er sich nicht, ob er mehr die "allereinfachsten" Sätze genießen soll oder die "leise flüsternde" Sprache der Liebe. Zur Stelle höchsten Glücks kürt der beglückte Rezensent schließlich die Frage des Lehrers an seine ehemalige Schülerin: "Würden Sie zum Zweck eines Liebesverhältnisses eine Beziehung mit mir eingehen?"

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.03.2008

 Dass Irmela Hijiya-Kirschnereit von dieser dem Sujet nach durchaus konventionellen Geschichte über eine jüngeren Frau und ihren ehemaligen Japanisch-Lehrer, die sich ineinander verlieben, dennoch entzückt ist, liegt an der erfrischend authentischen und ungewöhnlichen Erzählweise, wie sie erklärt. Die Protagonisten begegnen sich nach Jahren in einem Großstadtlokal wieder und über irgendwie ziemlich "belanglose" Gespräche ohne jegliche Tiefe entspinnt sich eine Liebesbeziehung, erklärt die Rezensentin. Insbesondere die Dialoge, in der die altmodische Förmlichkeit des älteren Mannes hervorspringt, haben mitunter einen sehr komischen Effekt, so Hijiya-Kirschnereit amüsiert, die ansonsten von den "geradeaus erzählten" Begegnungen wegen ihrer Leichtfüßigkeit und Natürlichkeit bezaubert ist. Und wegen dieses besonderen Tons ist es laut Rezensentin auch nicht weiter schlimm, dass die Liebesgeschichte nicht ganz ohne Klischees auskommt.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.03.2008

Vorsicht: Nicht in der Öffentlichkeit lesen!, warnt die Rezensentin Susanne Messmer vor "Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß" der japanischen Autorin Hiromi Kawakami - es sei denn, man wolle sich dabei zusehen lassen, wie man von den Gefühlen, die dieser Roman auslöst, überwältigt wird. Tsukiko, die alleinstehende Heldin in mittlerem Alter und unaufregenden Lebensverhältnissen, begegnet einem ehemaligen Lehrer, und zwischen ihnen entwickelt sich eine seltsam distanzierte und doch enge Freundschaft, fasst Susanne Messmer die Geschichte zusammen. Dramatische Entwicklungen sind nicht zu verzeichnen, räumt sie ein, die Stärke der Erzählung und ihre Kraft zu berühren liege eher im ruhigen, fast schlafwandlerischen Dahinfließen, versucht sie den Zauber des Buches zu fassen. Über die Stellen, die zu den nicht öffentlichkeitstauglichen Gefühlsregungen führen, mag die Rezensentin leider nicht berichten. Vielleicht aus Rücksicht auf die LeserInnen dieser Rezension, die sich womöglich gerade in der S-Bahn befinden?

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.03.2008

Ein frühlingshaftes Entzücken durchzieht diese Rezension. Hiromi Kawakamis Roman wird von Ulrich Baron zur "schönsten und subtilsten" Liebesgeschichte der Saison gekürt. Eine Frau, die nicht erwachsen werden will, trifft mit 37 Jahren ihren alten Japanischlehrer wieder, der sich nicht an sein Witwerdasein gewöhnen mag. Ihre vorsichtige Annäherung, die sich immer wieder über das Essen abspielt, sind so luftig leicht erzählt, dass die japanische Autorin den Rezensenten an Milan Kundera in Bestform erinnert. Mit delikater Vorsicht nähern sich die beiden Protagonisten an, und Baron genießt jeden Zentimeter.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.03.2008

Verführerischen Liebreiz, subtilen Spannungsaufbau und virtuose Gegenläufigkeit bescheinigt Rezensent Andreas Breitenstein dieser "kulinarischen Liebesgeschichte", die seinem Eindruck zufolge "Schlemmerei als Transzendenz" zelebriert. Das sei, da die Geschichte im eingeschlossenen Südkorea spiele, fast ein politischer Akt. Zwar kommt diese Liebesgeschichte zwischen einer Koreanerin und ihrem verwitweten Japanischlehrer für den Rezensenten mitunter recht plakativ und auch "nicht ganz kitschfrei" daher. Außerdem kommt es beim Lesen gelegentlich zu Irritationen, die der Rezensent aber lediglich west-östlichen Differenzen in den Kulturcodes zuschreibt. Insgesamt hat er diesen Parcour durch den Gefühlsdschungel der Ich-Erzählerin genossen, und er hält besonders "die Kaskade von feinen Häppchen" die darin stetig kredenzt würden, für geeignet, besonders "Liebhabern japanischer Küche die Tränen in die Augen zu treiben".
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