Henryk Grynberg

Drohobycz, Drohobycz

Galizische Erinnerungen. Zwölf Lebensbilder
Cover: Drohobycz, Drohobycz
Zsolnay Verlag, Wien 2000
ISBN 9783552049796
Gebunden, 340 Seiten, 20,35 EUR

Klappentext

Aus dem Polnischen von Martin Pollack. Angst und Schrecken verbreitete der aus Wien stammende Gestapohauptmann Felix Landau unter den Juden von Drohobycz. Nur mit dem Schriftsteller und Maler Bruno Schulz machte er eine Ausnahme. Von dem schmächtigen Dichter der »Zimtläden«, dem Kafka-Übersetzer und Zeichenlehrer ließ Landau sich porträtieren, mit ihm unterhielt er sich. Und Schulz redete mit ihm ? um sein eigenes Leben. Und genauso um sein Leben musste der für seine Intarsien berühmte Kunsttischler Hauptman mit dem SS-Scharführer Karl Günther reden, der dessen Kostbarkeiten unter der Hand nach Deutschland verkaufte. Als Landau davon erfuhr, erschoss er Hauptman. Kurze Zeit später wurde Bruno Schulz von Günther ermordet. Beiläufig, als sei dieses Schicksal ganz selbstverständlich, berichten die zwölf Erzähler im Buch des polnischen Schriftstellers Henryk Grynberg über den Holocaust, aber auch über den Antisemitismus in der Sowjetunion. Grynbergs dokumentarische Prosa geht zurück auf die Erzählungen Überlebender, und sie reicht herauf bis in die Gegenwart.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.01.2001

Marta Kijowska zeigt sich von den zwölf biografischen Porträts von Holocaust-Überlebenden des polnisch-jüdischen Autors, der heute in Washington lebt, beeindruckt und berührt. Was diese "Lebensbilder" der alle dem galizischen Judentum entstammenden Protagonisten auszeichnet, ist die "Konkretheit und Sachlichkeit", mit der der Autor in der Ich-Form von ihnen berichtet, meint die Rezensentin, die den lakonischen Tonfall und den völligen "Mangel an Pathos" hervorhebt. Indem die einzelnen Schicksale alle nach dem gleichen "chronologischen Muster" von Vorkriegsgeschichte, Nazizeit und Nachkriegszeit konzipiert seien und durch den Erzähler jeweils ganz neutral vorgetragen würden, bekämen die drei Zeitebenen eine "beklemmende Gleichwertigkeit".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.01.2001

Die hier zusammengetragenen Zeugnisse erlittener Brutalität durch die Nationalsozialisten haben die Rezensentin Christiane Zintzen sehr erschüttert. Die unerträglichen, aber realen Schilderungen von zwölf Überlebenden der Shoah seien bedrückend genug. Doch erst ihre Reihung mache sie zu einem nicht enden wollenden Albtraum. Der 1936 in Warschau geborene Henryk Grynberg gehe mit dem Leser rüde um. Seine im Stakkato verfassten Sätze lassen keinen Raum für eine Atempause, keinen Platz für einen Moment des Erholens, berichtet die Rezensentin. Aber gerade das findet sie angemessen: konkret erzählte Brutalität, die den Leser verstört, aber der Sinnlosigkeit der geschilderten Verbrechen und Tragödien präzise einen sprachlichen Rahmen gibt.
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