Helmut Schmidt, Peer Steinbrück

Zug um Zug

Cover: Zug um Zug
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2011
ISBN 9783455501971
Gebunden, 320 Seiten, 24,99 EUR

Klappentext

Obwohl fast dreißig Jahre zwischen Helmut Schmidt und Peer Steinbrück liegen, werden die beiden oft in einem Atemzug genannt - Elder Statesman und moralische Instanz der eine, spätestens seit der Finanzkrise Garant für politische Geradlinigkeit der andere: Hier tauschen sich zwei überzeugte Sozialdemokraten aus, die vieles von dem, was ihre Partei an Beschlüssen in die Welt setzt, nicht gutheißen können. Ob sie über die Risse im Fundament unseres Sozialstaates reden oder über die Ignoranz mancher Funktionseliten, ob sie die Verschiebung der globalen ökonomischen Gewichte diskutieren oder die verheerenden Auswüchse des weltweiten Raubtierkapitalismus: Immer wieder kehrt das Gespräch zu der Ausgangsfrage zurück, wie das Primat des Politischen auch in Zukunft gewahrt und die wachsende Kluft zwischen Regierten und Regierenden geschlossen werden kann.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.11.2011

Keine großen Überraschungen bietet dieser Gesprächsband von Helmut Schmidt und Peer Steinbrück nach Ansicht von Rezensent Gordon Repinski. Vieles an der Unterhaltung des Altkanzlers und des möglichen Kanzlerkandidaten scheint ihm "erwartbar", ja "populistisch", etwa wenn es um das Thema Finanzkrise oder das Thema Griechenland geht. Dabei ergänzen sich die beiden recht gut: während Steinbrück eher für die Gegenwart zuständig ist, hat Schmidt auch die Vergangenheit - von den alten Griechen über die Weimarer Republik bis zum Deutschen Herbst - im Blick. Bisweilen berührt der Dialog nach Auskunft Repinskis auch Punkte, wo es für Steinbrück heikel wird, z.B. wenn er von Schmidt auf Sarrazin oder auf die Grünen angesprochen wird. Nichtsdestoweniger wertet der Rezensent das Buch nicht nur als einen "Klönschnack zweier norddeutscher Politbesserwisser". Er sieht darin auch eine Positionierung Steinbrücks zu aktuellen politischen Fragen und so etwas wie sein "Wahlmanifest".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.10.2011

Christian Geyers Rezension dieses "windungsreichen" Gesprächs zwischen Helmut Schmidt und Peer Steinbrück wird von der Vermutung getragen, hier solle ein Kandidat für das Kanzleramt aufgebaut werden. Und zwar "mit quasi geschichtsphilosophischer Notwendigkeit". Mit offenkundiger Lust an der Demaskierung subtiler Dialogstrategien zeichnet Geyer nach, wie Steinbrück von Schmidt in zahlreichen Wissensgebieten geprüft, benotet und ausgezeichnet werde. Dabei gelingt den beiden nach Meinung des Rezensenten ein vortreffliches Kunststück: Einerseits vermittelten sie den Eindruck von Ebenbürtigkeit, andererseits aber erscheine Schmidt als "oberster Preisrichter der Partei", was ihn wiederum zur unanfechtbaren Beurteilung seines politischen Ziehkindes ermächtige. Den Gipfel sieht der Rezensent erreicht, als Schmidt und Steinbrück einvernehmlich zu Protokoll geben, mehr oder weniger aus Versehen zu Amt und Würden gelangt zu sein. So gehöre sich das auch für einen "guten Mann" - er strebe nicht von sich aus nach Macht; wisse aber, wann er gebraucht werde, wie Schmidt von Geyer paraphrasiert wird.