Helmut Krausser

Substanz

Das Beste aus den Tagebüchern
Cover: Substanz
DuMont Verlag, Köln 2010
ISBN 9783832180935
Gebunden, 462 Seiten, 24,95 EUR

Klappentext

Zwölf Monate aus zwölf Jahren, von 1992 bis 2004: Helmut Kraussers Tagebücher sind ein einzigartiges literarisches Dokument. Sie sind viel mehr als das ungewöhnliche Selbstporträt des facettenreichsten Autors seiner Generation. Sie legen Zeugnis ab von Gesellschaft, Politik und Kultur unserer Zeit - stets getrieben von rastloser Neugier. Voller Sprachwitz und Poesie bilden sie ein kluges, scharfsinniges, gnadenloses Journal. Die Tagebücher erschienen zwischen 1993 und 2005. Helmut Kraussers Aufzeichnungen sind nun auf ihre Essenz konzentriert - zwölf Jahre Gegenwart in einem Band.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.07.2010

Statt den zur "Substanz" verdichteten Auszügen aus Helmut Kraussers über zwölf Jahre notierten Tagebuch-Aufzeichnungen über jeweils einen Monat eine späte Rezension zu widmen, stellt Gustav Seibt dem im März erschienenen Band seinen eigenen Rezensenten-Jahresrückblick zur Seite. Hier rekapituliert er nicht nur andere Stimmen zur Langfassung der Tagebücher (mit positiver Resonanz Daniel Kehlmann) und zur vorliegenden Auswahl (böser Verriss von Florian Illis). Seibt kämpft auch mit eigenen heftigen Gefühlen angesichts Kraussers apodiktischer Wertungen, sei es mit seiner Empörung über das harsche Proust-Urteil, sei es mit seinem Befremden über Meinungsäußerungen, die man so auch bei Helmut Markwort lesen könnte und die er allein deshalb nicht gerne teilen würde, auch wenn sie selbst bei ihm "unbedingten Zwang zum Nicken" auslösen.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.04.2010

Ja, darum geht's, versichert uns Rene Hamann, um ein Eingedampftes, ums Wesentliche aus Helmut Kraussers Tagebüchern der Jahre 1992 bis 2004. Die Neunziger also. Hamann unterhält sich gut damit. Nicht unbedingt denkend, einmal, weil Kraussers Meinung (nicht Argumentation, damit ist nicht viel, so Hamann) ihm einleuchtet, ist sie auch noch so elitär und dogmatisch (Kunstbegriff!), dann wieder, weil ihm die Lust fehlt, dagegen anzugehen. Lieber weiterlesen, hier und dort mit dem einst in Einzelbänden erschienen Originalen vergleichen (lohnt sich, meint Hamann) und über Techno, U-Musik, den heraufziehenden islamischen Fundamentalismus, ja über eine ganze Epoche in Kraussers "Live-Berichterstattung" lesen. Mitreißend, meint Hamann.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.03.2010

Richard Kämmerlings traut diesem Autor zweierlei zu: dass er es ernst meint mit seiner elitären Kraft- und Bildungsmeierei und seiner Selbstverliebtheit. Und dass da was dran ist, objektiv betrachtet. Die Lektüre von Kraussers Tagebücherauslese jedenfalls zeigt dem Rezensenten einen zukunftsvisionären Helmut Krausser, der die uralte literarische Form bedienend, hellsichtig etwa die Beschleunigung durch das Internet und jede noch so flüchtige Alltagserscheinung auf ihr Wesen hin zu untersuchen vermag. Über Kraussers vielseitige Interessen kann Kämmerlings nur staunen und verortet den Autor sicher auch aus diesem Grund, vor allem aber Kraussers eigenem Generationenzugehörigkeitsverständnisses wegen irgendwo zwischen dem "Gegenwartsstenografen" Rainald Goetz und dem "Ewigkeitsmythomanen" Botho Strauss. Einmal ist Kämmerlings auch richtig überrascht, als der Autor nämlich nachdenklich wird, kleinlaut sogar, im Moralischen. Und anerkennend stellt Kämmerlings fest: Dieser Autor ist nie unbeteiligt, auch im Politischen nicht.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 18.03.2010

Wenig hält Florian Illies von diesen Tagebüchern. Zu Ich-bezogen, zu eitel, ohne das dies von irgendeinem Mehrwert für den Leser wäre. Verdammungen, Abgrenzungen, Demontagen, alles bleibt für den Kritiker bei diesem Autor im spießigen "kläffenden Ressentiment" stecken. Kein Argument, nirgends. Dafür gelinge es Helmut Krausser, wochenlang durch Italien oder Frankreich zu reisen, ohne eine einzige aussagekräftige oder zumindest atmosphärische Beobachtung niederzuschreiben. Der selbstzufriedene Gestus "nervt" Illies bald. Höhepunkte notiert er allenfalls, wenn die "offenbar außergewöhnliche Frau" dieses Autors in diesen Aufzeichnungen in Erscheinung tritt.