Helmut Korte

Der Spielfilm und das Ende der Weimarer Republik

Ein rezeptionshistorischer Versuch
Cover: Der Spielfilm und das Ende der Weimarer Republik
Vandenhoeck und Ruprecht Verlag, Göttingen 1998
ISBN 9783525207147
Broschiert, 504 Seiten, 44,99 EUR

Klappentext

Zwischen 1930 und 1933 wurden in Deutschland mehrere hundert Spielfilme produziert. Daß diese Filme - neben ihrem unbestreitbaren Unterhaltungscharakter - auch Anteil am öffentlichen Bewußtseins- und Wertewandel in der Endphase der Weimarer Republik hatten, kann wohl kaum bezweifelt werden. Welchen Beitrag leisteten die propagierten Handlungsmuster, Lebensentwürfe und Mythen aber tatsächlich beim Untergang der ersten deutschen Demokratie? Wie wurden sie vom damaligen Kinobesucher wahrgenommen? Welche Rezeption war intendiert und welche möglicherweise entgegengesetzten Seh- und Verarbeitungsweisen sind denkbar? Ausgehend von der rezeptionshistorischen Theoriedebatte in der deutschen Literaturwissenschaft der 70er Jahre sowie der entsprechenden aktuellen angloamerikanischen Diskussion (Cultural Studies, New Historicism) versucht Helmut Korte, die historische Wirkung möglichst authentisch zu rekonstruieren.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.09.2000

In einer Doppelrezension bespricht Jörg Becker zwei Bücher, die sich mit dem Film in der Weimarer Republik beschäftigen.
1.) Thomas Elsaesser: "Das Weimarer Kino - aufgeklärt und doppelbödig" (Vorwerk 8)
Nach Ansicht des Rezensenten setzt dieser Band einen "Maßstab als Filmliteratur und als Kulturgeschichte", auch wenn Becker einräumt, dass die meisten der Beiträge bereits einzeln veröffentlicht worden sind. Besonders hebt er Elsaessers "ausgiebige und theoretisch höchst fundierte Betrachtung des `Caligari`-Stoffs und der Ästhetik von Langs beiden `Mabuse`-Filmen" hervor, wobei Beckers Begründung dafür leider reichlich salomonisch ausfällt. Deutlich wird jedoch, dass der Rezensent den Autor für einen ausgemachten Kenner der Theoretiker der Zeit hält, der nicht nur Lotte H. Eisners `Die dämonische Leinwand` und Siegfried Kracauers `Von Caligari zu Hitler` unter die Lupe nimmt, sondern auch darstellt, inwiefern die "Konsumkultur" bei den Filmen der Zeit eine Rolle spielte.
2.) Helmut Korte: "Der Spielfilm und das Ende der Weimarer Republik" (Vandenhoeck & Ruprecht)
Becker weist darauf hin, dass Korte daran gelegen ist, die Diskrepanz zwischen "Botschaft von Filmen und ihrer Wirkung" aufzuzeigen. Deshalb sei ein `rezeptionshistorisch begründetes Vorgehen` angebracht, so Korte. Im Mittelpunkt scheint für den Rezensenten der Versuch Kortes zu stehen, die Filme der Zeit zu klassifizieren und - anders als Kracauer - auch "Durchschnittsprodukte" zu berücksichtigen, wobei er allerdings einschränkend einräume, dass die "affektive Qualität" der Filme heute kaum noch nachzuvollziehen ist. Dabei zeigt sich, so Becker, dass gerade historische, tragisch endende Filme, die "Mittelschicht-Stoffe transportieren, besonders erfolgreich waren, obwohl sie gar nicht so häufig produziert wurden. Korte geht es vor allem darum, dass `zeitgenössisch dominante Wirkungsspektrum` zu ermitteln. Dies scheint ihm nach Becker gelungen zu sein, auch wenn der Rezensent dies nicht dezidiert zum Ausdruck bringt.
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