Katalog zur Ausstellung in der Ursula Blickle Stiftung. Obwohl Peleschjans Filme unter Kennern zu den einflussreichsten Arbeiten des russischen Dokumentarfilms gehören, und bereits seit den 1960er Jahren durch Jean-Luc Godard bekannt wurden, sind die insgesamt elf Filme des zurückgezogen in Moskau lebenden Künstlers doch bisher einem selbst kunstkundigen Publikum unzugänglich geblieben. Dies, obwohl seine Arbeiten regelmäßig auf Filmfestivals gezeigt werden und Peleschjan seit Mitte der 90er Jahren auch Anerkennung im Kunstkontext gefunden hat. "Unser Jahrhundert" ist ein eindrucksvolles schwarz-weiß Epos über die Träume und Albträume des zivilisatorischen Fortschritts im 20. Jahrhundert, eine Arbeit, die aufzeigt, wie Hanna Arendt bereits 1968 feststellte, dass Fortschritt und Katastrophe die zwei Seiten derselben Medaille sind
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.01.2005
Nur Kennern seien die bisher elf Filme des in Moskau lebenden armenischen Filmkünstlers Artavazd Peleschjan bekannt, konstatiert Rezensent Jörg Becker und freut sich, dass der von der Kunsthalle Wien herausgegebene Band "Unser Jahrhundert" diesem wichtigen Repräsentanten des zeitgenössischen Avantgardefilms nun auch im deutschsprachigen Raum bekannter machen könnte. Der Titel des "breitformatigen" und "schön gestalteten" Buches, "eindeutig als Kunstband zu erkennen", ist auch der Titel von Pelschjans bedeutendstem Film. Der Absolvent der Moskauer Filhochschule VGIK, an der er in den achtziger Jahren auch lehrte, führte lange Zeit "die Existenz eines marginalisierten Exzentrikers", informiert uns der Rezensent. Gegen den Widerstand sowjetischer Kulturbehörden habe Peleschjan in den sechziger Jahren eine eigene Montagetheorie begründet und stehe in der Tradition Eisensteins oder Wertows. Sein Film "Unser Jahrhundert" (1982), der den technischen Fortschritt "zwischen Triumph und Hybris" behandelt, habe ihm zusätzlich die Bezeichnung "Apokalyptiker" eingebracht, der die Katastrophentheorie von Walter Benjamin und Hannah Arendt stütze. Der Katalog präsentiert Filmstill-Protokolle und enthält "poetisch beschreibende Drehbuchauszüge" mehrerer Filme Pelschjans.
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