Sie waren Stammgäste im Hofbräuhaus, fühlten sich in den Alpen wie zu Hause, liebten die Theater und Museen der Stadt, pflegten die landesübliche Feindschaft gegenüber Preußen und in "unserem München" galt ihnen auch der Berliner Jude als Zugereister. Über drei Generationen verband die Familie Feuchtwanger eine strenge jüdische Orthodoxie mit einer ausgeprägt bayerisch-barocken Lebensweise. Auch ihr berühmtester Spross, der Schriftsteller Lion Feuchtwanger, hielt ob in Berlin, Südfrankreich oder Kalifornien sowohl an der Münchner Mundart als auch an einem selbstbewussten Judentum fest. Heike Specht zeichnet den Weg einer jüdischen Familie in Deutschland durch das 19. und 20. Jahrhundert nach: die wirtschaftliche Etablierung, ihr Wirken in der jüdischen Gemeinde, der Erste Weltkrieg, die Revolution, die "Goldenen Zwanziger", die Jahre der Diskriminierung und Verfolgung im Nationalsozialismus und schließlich Emigration und Flucht. Die Geschichte der Feuchtwangers ist aber auch eine Geschichte von Familienzusammenhalt und Familienzwist, von arrangierten Ehen und leidenschaftlicher Liebe, von glänzenden Erfolgen und bitteren Niederlagen
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.04.2007
Lion Feuchtwanger hätten die Nazis zwar die Staatsbürgerschaft aberkennen und seinen Besitz rauben können, nicht aber seine wahren "Wurzeln" als selbstbewusster bayrischer Jude. In ihrer "fundierten und detailreichen" Studie, so Rezensentin Antje Weber, entfalte die Autorin das Bild eines traditionsreichen und vor allem stolzen Familienclans, der bis ins 16. Jahrhundert und in die Stadt Fürth zurückverfolgt werden könne. Heike Specht untersuche fünf Generationen dieser Familie, wobei Lion Feuchtwangers Biografie nur einen kleinen Ausschnitt darstelle. Dass die Münchner Zweige der Feuchtwangers unter ihren dickschädeligen und "streitbaren" Patriarchen noch bis in die Kindheit des kleinen Lion streng orthodox waren, führe die Autorin auf die allgemein konservative Atmosphäre in Bayern zurück. 774 Familienmitglieder haben vor den Nationalsozialisten noch rechtzeitig fliehen können, berichtet Weber noch, viele seien schon 1935/36 ins Exil gegangen, 80 seien ermordet worden.
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