Hedwig Pringsheim

Mein Nachrichtendienst

Briefe an Katia Mann 1933-1941
Cover: Mein Nachrichtendienst
Wallstein Verlag, Göttingen 2013
ISBN 9783835302532
Gebunden, 1600 Seiten, 89,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben und kommentiert von Dirk Heißerer. Die einstmals gesellschaftlich, kulturell und auch materiell herausragende Münchener Familie Pringsheim war 1933 den nationalsozialistischen Repressionen ausgeliefert. In den 375 Briefen an ihre Tochter Katia Mann, die bereits 1933 mit Thomas Mann Deutschland verlassen hatte, trotzte Hedwig Pringsheim dem sie umgebenden und sie selbst betreffenden Unrecht mit Verschlüsselungen sowie zahlreichen literarischen, musikalischen und historischen Anspielungen. Der in seiner Art beispiellose mütterliche "Nachrichtendienst" der Hedwig Pringsheim erlaubt einzigartige Einblicke in das Münchener Leben während der ersten Jahre der NS-Diktatur. Der Verlust der Gegenbriefe Katia Manns lässt sich durch die Tagebücher Thomas Manns inhaltlich weitgehend kompensieren. Bei der Dechiffrierung und ausführlichen Kommentierung halfen Informationen aus den Tagebüchern Hedwig Pringsheims ebenso wie neu aufgefundene Briefe von und an Thomas, Katia und Erika Mann sowie Klaus und Peter Pringsheim.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.08.2013

In zwei Bänden sind nun nicht nur die Tagebücher Hedwig Pringsheims aus den Jahren 1885 bis 1897 erschienen, sondern auch ihre zwischen 1933 und 1941 verfassten Briefe an Katia Mann von Dirk Heißerer unter dem Titel "Mein Nachrichtendienst" herausgegeben worden, berichtet Rezensent Stephan Speicher. Der Kritiker liest die Schriften zwar mit Interesse, muss aber durchaus gestehen, dass er sich streckenweise ein wenig gelangweilt hat: In den Tagebüchern erfährt er etwa, wie die "Grand Dame" der Prinzenregentenzeit und Schwiegermutter Thomas Manns, Gäste empfing, Theater- und Opernbesuche knapp bewertete oder auch, wann ihre Menstruation einsetzte - so bekommt Speicher zwar einen Eindruck von den Lebensformen der Oberschicht, allzu viel Persönliches liest er allerdings nicht. Auch die von Dirk Heißerer sorgfältig editierten und erläuterten, im Exil verfassten Briefe an ihre Tochter Katia verraten nicht wesentlich mehr, konstatiert der Kritiker, der hier zwar interessiert und erstaunt Hedwigs Ansichten über Hitler und Judentum liest, aber dennoch private Einblicke vermisst. Nichtsdestotrotz hat sich der Rezensent mit den Schriften der eigensinnigen und charmanten Dame durchaus amüsiert.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.04.2013

Als großen Verdienst und enorme Leistung bezeichnet es Tilmann Lahme, dass der Herausgeber Dirk Heißerer diese Briefe verständlich macht mit seinem Kommentar. Hedwig Pringsheim, die hier an ihre Tochter Katja schreibt, scheint des Wortes geradezu übermächtig zu sein. Ihre Briefe aus den Jahren 1933 bis 1941 sind für Lahme nicht nur das Dokument der Tragik des assimilierten jüdischen Großbürgertums in Nazideutschland. Der Rezensent liest sie auch als herrlich verklausulierte, von grimmigem Humor durchsetzte Spitzfindigkeiten gegen Emporkömmlinge, Nachbarn, Teegäste. Meist heiter und beschwingt, wird die Korrespondenz gegen Ende jedoch zunehmend zur traurigen Lektüre, da Pringsheim ihre "Wortkraft" verliert.