Harald Bluhm

Die Ordnung der Ordnung

Das politische Philosophieren von Leo Strauss
Cover: Die Ordnung der Ordnung
Akademie Verlag, Berlin 2002
ISBN 9783050035734
Gebunden, 370 Seiten, 49,80 EUR

Klappentext

Wieso konnte ein radikaler Kritiker der Moderne und bekennender Platoniker wie der jüdische Emigrant Leo Strauss (1899-1973) einer der einflußreichsten Theoretiker in der amerikanischen Politikwissenschaft werden? Was hält sein aus verwickelten Interpretationen von Klassikern der politischen Philosophie bestehendes Oeuvre zusammen? - Von diesen beiden Probleme ausgehend entwickelt Harald Bluhm eine werkgeschichtliche Gesamtdeutung von Strauss' politischem Philosophieren. Strauss' Denken, dessen Motive aus der Weimarer Zeit stammen, wird durch die Frage nach der besten Ordnung und der richtigen Lebensführung getragen, die er im Rekurs auf antike Klassiker entfaltet. Philosophie gilt als Lebensform und Suche nach einem universellem qualitativem Maß politischer Ordnung. Aus dieser Quelle speist sich seine radikale Liberalismus- und Fortschrittskritik, die besonders den vermeintlichen Verfall der politischen Theorie seit Machiavelli und Hobbes betraf.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.06.2003

"Ist Leo Strauss der Pate von Bush?" fragt Christian Geyer gleich in der Überschrift seiner Rezension. Harald Bluhms Buch arbeite vor allem zwei Aspekte von Strauss' Denken heraus, führt der Rezensent dann aus, an die die amerikanischen Neokonservativen offenbar anschließen. Zum einen sei da Strauss' Bemühen, politische Fragen wieder als "Wahrheitsfragen", nämlich als solche nach dem "guten Leben" aufzufassen, und sie so der Kontingenz liberaler Verfahren zu entheben. Und zum anderen der Umstand, dass Strauss die "Wahrheit der guten Ordnung" als ein esoterisches, elitäres Projekt behandele, das nur denjenigen gegenüber durchsichtig zu machen sei, die diese Wahrheit "ertragen" könnten. Wolle man sich auch noch "jenseits tagespolitischer Mutmaßungen" ein Bild machen vom Denken Leo Strauss' sowie "einen profunden Eindruck" verschaffen von den amerikanischen, hierzulande ebenso wenig bekannten politikwissenschaftlichen Kontroversen um die "Straussians" , dann ist Bluhms "durchweg um Sachlichkeit und philologische Genauigkeit bemühte" Arbeit jedenfalls sehr hilfreich, lobt der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 05.12.2002

Der Rezensent Thomas Meyer nimmt es gleich vorweg: Harald Bluhms Habilitation über den "Gegenaufklärer" Leo Strauss ist ein Standardwerk. In der Tat räume Bluhm in seiner Gesamtdarstellung mit der Ansicht auf, Strauss habe mit seinem Denken "Anknüpfungspunkte für eine praktisch wirksame Ideologie geliefert". Daher erklärt diese Studie für den Rezensenten auch, warum in Sachen politischer Theorie und Theologie so wenig auf Strauss zurückgegriffen werde: "Strauss war einfach kein konsistent denkender politischer Philosoph." Bluhms "detailgenaue Rekonstruktionen", so Meyer, belegen, dass Strauss' breit angelegten "Krisendiagnostik" nur wenig "Therapievorschläge" antworten. Somit zeige Bluhm, dass die Beschäftigung mit Strauss in Zukunft eher eine historisch-kritische sein sollte.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.07.2002

Die Grundthese von Heinrich Bluhms Habilitationsschrift zu Leo Strauss ist, dass Strauss als Denker des Politischen im Kern gerade keine systematische Theorie der Politik entwickelt habe oder entwickeln wollte. Also sollte man, meint der Rezensent Friedrich Niewöhner erleichtert, endlich damit aufhören, danach zu suchen. Strauss' Frage war umfassender, sie zielte nämlich auf "die gute politische Ordnung" schlechthin - und dies ist dann eine zuletzt mehr als politische, eine philosophische Frage. Also nimmt Bluhm Leo Strauss als Interpreten philosophischer Texte ernst und behandelt das gesamte Werk des Autors, unter Einbeziehung wichtiger dazu erschienener Literatur. Niewöhner hat in Bluhms Lektüren neue Akzente entdeckt, lobt die Klugheit des Autors und freut sich, dass die Philosophie von Leo Strauss nun auch im deutschen Sprachraum als wichtiger Forschungsgegenstand entdeckt wird.
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