Herausgegeben von Claus-Dieter Krohn und Corinna R. Unger. Arnold Brecht (1884-1977) war angesehener Verwaltungsbeamter und juristischer Experte der Weimarer Republik, herausragender Politikwissenschaftler und geschätzter Berater deutscher und amerikanischer Politiker. Sein Leben wurde geprägt von den politischen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts in Deutschland, die ihn 1918/19 zu einem überzeugten Demokraten machten und 1933 zur Emigration in die USA zwangen. Seine bislang wenig untersuchte Biografie gibt Aufschluss über diese Zäsuren, die transatlantischen Beziehungen, den westdeutschen Neuaufbau nach 1945 und den Kalten Krieg. Der Sammelband vereint Beiträge über Brechts Lebensstationen und Tätigkeitsschwerpunkte, die von Überlegungen zur narrativen Form der Autobiografie und ihrem sinnstiftenden Potential eingeleitet werden. Damit stellt der Band ein Übersichtswerk zur Person Arnold Brechts von allgemeinem Interesse dar, das zugleich die Relevanz biografischer Forschung unterstreicht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.03.2007
Vorzüglich findet Tim B. Müller diesen Band über den 1933 emigrierten Beamten und Wissenschaftler Arnold Brecht, den Corinna Unger und Claus-Dieter Krohn herausgegeben haben. Der Band biete allen, denen Brecht ein Unbekannter ist, einen "verlässlichen Ausgangspunkt", aber auch die wenigen Kenner würden auf ihre Kosten kommen. Müller fühlt sich sachkundig über den konservativen Demokraten informiert, Kindheit und Studium Brechts kommen ebenso zur Sprache wie seine Tätigkeit in der Verwaltungsspitze des preußischen Innenministeriums und Exilzeit und schließlich seine späte Rolle als politischer Stichwortgeber. Neben Michael Rucks Untersuchung zur deutschlandpolitischen Rolle Arnold Brechts, der nach dem Krieg unermüdlich Vorschläge zur Entspannungspolitik machte, hebt Müller vor allem Alfons Söllners Beitrag über Brechts vergessenes Opus magnum "Politische Theorie" von 1959 hervor. Instruktiv erscheint ihm besonders Söllners Akzentuierung des Gerechtigkeitsproblems als Brechts Hauptanliegen sowie die Linie, die er zur politischen Philosophie der Gegenwart von John Rawls, Jürgen Habermas und Michael Walzer zieht.
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