C.H. Beck Verlag, München 2026
ISBN
9783406830365 Gebunden, 495 Seiten, 34,00
EUR
Klappentext
Betrachtungen eines Politischen - der andere Thomas Mann Thomas Mann ist in aller Munde - vor allem als Familienoberhaupt einer Art deutscher Kulturroyals, deren morbide Geschichte unentwegt Stoff für Bestseller zu liefern scheint. Seine Werke werden hingegen nicht mehr so viel gelesen wie früher. Droht auch Thomas Mann das Schicksal anderer Klassiker, ein "rasch verstaubendes Kuriosum für Archivare" zu werden? Der Historiker Hans Woller entdeckt einen überraschend anderen Thomas Mann und zeigt, dass seine bleibende Bedeutung gerade auch in seinem politischen Wirken zu sehen ist.Ungeachtet seiner Selbstinszenierung als entrückter Apostel der reinen Kunst war Thomas Mann zeitlebens ein homo politicus, der über Jahrzehnte im Zentrum des politischen Meinungsstreits stand. Vaterlandsverräter, Judengenosse, nützlicher Idiot Moskaus und Herzensdemokrat - man hat ihn verdammt, denunziert und zum Vorbild verklärt. Hans Woller entdeckt den politischen Thomas Mann neu und räumt dabei mit vielen Fehlurteilen auf: Der Nobelpreisträger galt als der gefährlichste geistige Widersacher Hitlers, war einer der schärfsten Kritiker seiner Wahlheimat, dem "Gangsterland" Amerika, und schreckte nicht vor Flirts mit dem Sowjetsystem Stalins zurück. Oft hellsichtig, aber ebenso oft Prophet des Irrtums, war der elitäre Patrizier für die Deutschen ein unbequemer Zeitgenosse, der wegen seines Freimuts so leicht in keine Schublade passte. Ob er uns gerade deswegen noch immer viel zu sagen hat?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 06.10.2026
Rezensent Michael Hesse empfiehlt Hans Wollers Studie über den politischen Thomas Mann, da es dem Autor gelingt, die politische Unbeständigkeit Manns herauszuarbeiten. Spannend findet er Hesses Nachzeichnung des Bruderkonflikts, aus dem Thomas schließlich als der Konservativere hervortrat. Manns wechselhafte Haltung zur Demokratie wird im Buch deutlich, lobt Hesse. Deutlich wird für den Rezensenten auch, dass Manns politische Orientierung von Opportunismus und Widersprüchen geprägt war. Das zu klären, ist das Verdienst der Studie, meint Hesse.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.09.2026
Zu Thomas Mann ist inzwischen eigentlich alles gesagt worde und das auch von jedem: seine Homosexualität, die glamouröse Familie, und in den letzten Jahren vor allem sein politisches Denken - alles zigfach ausgeleuchtet und seziert von einer ganzen "Mann-Industrie", meint Rezensent Jens Hacke, der ein gewissen Völlegefühl andeutet. Umso überraschter ist er, dass es ausgerechnet dem Faschismus-Experte Hans Woller gelingt, doch noch ein kluges Buch über den Thomas Mann und die Politik vorzulegen. Wie "umsichtig" Woller die Widersprüche, Defizite und Vorzüge Manns politischer Haltungen ausleuchtet, findet Hacke ebenso überzeugend wie die "entspannte Nüchternheit", mit der der Autor insgesamt auf Thomas Mann blickt.
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