Die Entwicklung der Geschichtswissenschaften in den USA, England, Frankreich und Deutschland vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis heute steht in diesem Band im Mittelpunkt. Dabei geht es weniger um das "historische Denken" im Sinne der deutschen Theoriesprache, als um Paradigmata und dominierende Denkfiguren der professionellen Historiker. Es zeigt sich, dass die Entwicklung der Geschichtswissenschaften keineswegs im Bann von großen, transnationalen Trends verlaufen ist. Vielmehr sticht eine verblüffende Asymmetrie und Vielfalt ins Auge: Die Eigenart der nationalhistorischen Bedingungen erwies sich offenbar als so durchsetzungsfähig, dass es jeweils zu einer zeitlich begrenzten, landesspezifischen Dominanz von Strömungen kam, für die es anderswo nur selten ein exaktes Pendant gibt. Besondere Aufmerksamkeit widmet Wehler der "neuen Kulturgeschichte", deren Defizite und "apolitische Abstinenz" er hinterfragt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.01.2002
Franziska Augstein zeigt sich in ihrer Kurzkritik sehr angetan von Hans-Ulrich Wehlers Essays zum "historischen Denken" am Ende des letzten Jahrhunderts, über "geschichtswissenschaftliche Strömungen" in Amerika und Europa und über neuere Kulturgeschichte. Sie preist die Texte als "prägnant" und dabei allgemein verständlich und schätzt besonders ihre "Transparenz", die der Autor, wie sie lobend feststellt, nicht zuletzt durch klare politische Positionen erreicht.
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