Herausgegeben von Steffi Böttger.Zwei Lebensläufe des 20.Jahrhunderts. Der Vater: Hans Natonek, Journalist und Romanautor, muss aufgrund seiner jüdischen Herkunft ins Exil gehen und verbringt den Rest seines Lebens - schwerkrank und vom Literaturbetrieb vollkommen vergessen - in Tucson, Arizona. Sein Sohn: Wolfgang Natonek, in der ersten Nachkriegszeit Vorsitzender des Studentenrates der Leipziger Universität, wird 1948 vom sowjetischen Geheimdienst verhaftet und zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt, von denen er acht Jahre in Haft verbringen muss. Der Briefwechsel ist ein bewegendes Dokument für die Kraft und den Mut, den Überlebenswillen und die Unbeugsamkeit in schier ausweglosen Lagen. Eine deutsche Familiengeschichte besonderer Art.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.06.2009
Sabine Brandt ruft uns die Bedeutung vergangener Ereignisse für unsere Gegenwart und Zukunft in Erinnerung. Für sie hat der vorliegende Briefwechsel zwischen Vater und Sohn aus der Zeit zwischen 1942 bis 1962 das bereits geleistet. Obwohl sie über die historischen Abläufe Bescheid wusste, vermochte die Lektüre eine Nähe zu den Ereignissen herzustellen, die Brandt bedrängt und zugleich angerührt hat. So informativ das Vorwort und der Anhang des Bandes ihr erscheinen, so sehr liegt die belehrende Kraft für sie in der Korrespondenz. Die dem Leser vermittelten Ängste und Hoffnungen der beiden Zeitzeugen, dem Vater, einem Literaten der Weimarer Republik und liberalen Pazifisten, und dem Sohn, Studentenführer in Leipzig und später Lehrer, erscheinen Brandt mustergültig für ein Leben in unheilvoller Zeit.
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