Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.07.2001
Peter Jochen Winters kann sich für dieses Buch offenbar nicht erwärmen. So findet er die Erkenntnisse, die Modrow durch seine Abgeordnetentätigkeit in der Volkskammer der DDR und im Bundestag gezogen hat, "doch recht mager", wenn es um den Vergleich der beiden Systeme geht. Modrow versuche lediglich, "allerhand Gutes am DDR-Staatssozialismus und viel Schlechtes im Westen zu entdecken". Das alles aber kennt man schon von ihm, findet Winters. Darüber hinaus nehmen einen großen Teil des Buchs Abrechnungen mit DDR-Politikern ein, wie der Leser erfährt: Über Honecker sei Modrow ebenso verbittert wie über Egon Krenz, der an einem wirklichen Neuanfang nicht interessiert gewesen sei. Auch Schalk-Golodkowski und Schabowski bekommen ihr Fett weg, letzterer vor allem wegen "Opportunismus und Machthunger". Winters bewertet diese Passagen des Buchs nicht, befindet aber nicht ohne Ironie, dass Modrow mit dem Opportunismusvorwurf "vielen unverbesserlichen alten SED-Genossen aus dem Herzen" sprechen dürfte.
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