Hans Michael Kloth

Vom `Zettelfalten` zum freien Wählen

Die Demokratisierung der DDR 1989/90 und die
Cover: Vom `Zettelfalten` zum freien Wählen
Ch. Links Verlag, Berlin 2000
ISBN 9783861532125
Gebunden, 752 Seiten, 24,54 EUR

Klappentext

In dieser zeithistorischen Fallstudie wird die Geschichte der friedlichen Revolution als Geschichte der Durchsetzung freier Wahlen rekonstruiert, denn die "Wahlfrage" - wann, wofür und wie sollte gewählt werden - war von entscheidender Bedeutung für die Klärung der Machtfrage. Auf der Grundlage einer Überblicksdarstellung der Geschichte und des Wahlrechts der seit 1950 abgehaltenen Scheinwahlen und einer minutiösen Untersuchung der Ereignisse um die gefälschten Kommunalwahlen vom 7. Mai 1989 werden die divergierenden Wahlrechtsvorstellungen aus der stürmischen Zeit der Herbstrevolution untersucht. Dabei geht es um den dramatischen Strategiewechsel der SED genauso wie um konzeptionelle Schwäche der Oppositionellen und die entsprechenden Auseinandersetzungen am Runden Tisch, bis es am 19. März 1990 schließlich zu einer "Revolution per Wahlurne" kam.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.11.2000

"So sollte Politikwissenschaft sein", lobt Rezensent Eckhard Jesse, selbst Politikwissenschaftler: klar und lebendig geschrieben, unter Verwendung bislang unerforschter Quellen, auf dem Stand der neusten Forschung. Kloth, der heute beim "Spiegel" arbeitet, habe seine Dissertation einem spannenden zeitgeschichtlichen Thema gewidmet: der politischen Umwälzung in den Jahren 1989/90 unter dem Aspekt der "Wahlfrage". Freie Wahlen hätten bei den eher anti-institutionell ausgerichteten Oppositionsparteien inhaltlich eigentlich keine Rolle gespielt, erst die Wahlenthaltung bei den Kommunalwahlen im Mai 1989 und der aufgedeckte "Wahlbetrug" in manchen Bezirken seien dann für die Opposition zum Thema geworden, führt Jesse aus. Spannend findet der Rezensent, wie Kloth die Entscheidungsprozesse nachzeichnet, die sich "im Dreieck von Volkskammer, Rundem Tisch und Regierung" abspielten. Der Runde Tisch erwies sich in der Wahlfrage als relativ konzeptionslos, schreibt Jesse; die traditionellen Oppositionsparteien sowie die neugegründete SPD und die "Grünen" schnitten bei den Volkskammerwahlen schlecht ab - u.a. auch, weil die "deutsche Frage" für sie keine Rolle gespielt hätte.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.06.2000

Als ein "Standardwerk" lobt der Rezensent Karl Wilhelm Fricke dieses Buch und preist ausführlich die Breite und Tiefe der Darstellung und die Tatsache, dass der Autor zahlreiche Zeitzeugen befragt und eine große Zahl von Archiven ausgewertet hat. Auch die Breite, mit der Kloth die beiden letzten Wahlen der DDR im Jahr 1989 behandelt, findet Fricke vollauf gerechtfertigt, denn es gelinge dem Autor, wesentliche neue Aspekte zur Systemtransformation und zur Bürgerbewegung ausfindig zu machen. Nicht genug kann sich Fricke dabei über das Paradox freuen, dass die DDR, die Wahlen immer nur als Propagandaspektakel inszenierte, zuletzt durch eine Wahl - die erst und letzte demokratische Abstimmung am 18. März 1990 - zugrunde ging: "eine Revolution per Stimmzettel".
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