H. C. Artmann

H.C. Artmann: Sämtliche Gedichte

Cover: H.C. Artmann: Sämtliche Gedichte
Jung und Jung Verlag, Salzburg 2003
ISBN 9783902144560
Gebunden, 799 Seiten, 29,00 EUR

Klappentext

Unter Mitwirkung und in der Anordnung des Autors herausgegeben von Klaus Reichert. Nur wenige Dichter deutscher Zunge haben ihr Publikum so oft überrascht und inspiriert wie H.C. Artmann. Er war ein Ariel im Reich der Sprache, und es war das Leichte und Luftige, das Unangestrengte und Helle, was seine Kunst auszeichnete, auch da, wo sie dunkel grundiert war. Seine Entdeckung der reichen Möglichkeiten des Wiener Dialekts machte ebenso Schule, wie sein sprachspielerisches Genie unnachahmlich blieb. Nirgendwo läßt sich das besser nachvollziehen als in Artmanns Gedichten, die in ihrer formalen Vielfalt und ihrem Reichtum an Tönen auch für den vermeintlichen Kenner noch zahlreiche Überraschungen bereit halten: vieles von diesem 1000-Seiten-Schatz ist ungehoben.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.07.2003

Erst mit den zahlreichen Bänden, die nun, drei Jahre nach Artmanns Tod erscheinen, befindet Hans Christian Kofler, zeige sich "mit aller Frappanz", wie weit das poetische Universum war, das Artmann mit seinem Werk öffnete, und wie "unergründlich" der Fundus der redenden Masken sei, deren "dieser große Stimmenimitator" sich so "spielend leicht" bedient habe. Traumwandlerisch sicher habe sich Artmann dabei viele Epochen der deutschen und europäischen Literatur er sich dabei so "traumwandlerisch sicher" bewegt. In seinem Zugriff auf Vorhandenes, so will Kosler dabei entdeckt haben, sei Artmann "bereits ein Postmoderner" gewesen. Wie klar kategorisierbar Artmanns Kunst damit für den Rezensenten allerdings auch sein mag, so räumt er doch immerhin ein, dass "man auch heute noch" bei Artmann an die Grenzen der Rezipierbarkeit stoße. Darum bleibe auch zu fragen, wie Kosler noch kritisch zum Nachwort von Klaus Reichert anmerkt, ob Artmann, wie dieser dort schreibe, tatsächlich nie auf die "Semantisierbarkeit des sprachlichen Materials" verzichtet habe.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 01.07.2003

Nicolai Kubus freut sich sehr, dass H. C. Artmanns Werk nun in einem einzigen Band erschienen ist: "weil man das ganze wunderbare Zeug jetzt auch ohne Rucksack mit sich herumtragen kann" - im Gegensatz zu der 1993 beim Renner erschienenen zehnbändigen Ausgabe. Kubus findet die chronologisch-thematische Ordnung sinnvoll, an ihr lassen sich gut Artmanns Inspirationsquellen nachvollziehen, meint er und zählt auf: Von Dada kommt der "Hang zum gehobenen Blödsinn", vom Expressionismus die "starken Bilder". Immer wieder erstaunt den Rezensenten die "Leichtigkeit und Offenheit", mit der Artmann die Traditionslinien der Poesie bündelt, ohne selbst irgendeiner Schule anzugehören. Und schön gestaltet ist die Ausgabe offenbar auch noch: Dünndruck, Lesebändchen, feines Klassikerpapier mit "lesefreundlicher Vanilleeistönung".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.06.2003

Ein Dichter, "wie sobald keiner mehr kommen wird", ist der im Jahr 2000 verstorbene H.C. Artmann in den Augen von Christoph Bartmann. Als "kultiviert" und "breit gebildet" charakterisiert er ihn, nennt ihn einen "Ortlosen", einen "Nichtsesshaften", einen der bei aller Hingabe an die Tradition, aus deren Fundus er schöpfte, immer ein "Modernist", "Erneuerer" und "Avantgardist" gewesen sei. Da ist die Freude bei Bartmann natürlich groß, dass nun Artmanns "Sämtliche Gedichte" in einer vom Meister selbst noch auf den Weg gebrachten Ausgabe zu haben sind. Und über die weiß Bartmann nur Positives zu berichten: Er lobt sie als "solide ediert" und "sehr übersichtlich" gestaltet. Man könne die lyrische Entwicklung Bartmanns bestens nachvollziehen. Fazit des Rezensent: ein Band "für die Ewigkeit bestimmt".
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.05.2003

Klaus Kastberger begrüßt begeistert den Band mit sämtlichen Gedichten H. C. Artmanns, der sich wie er meint mit seinem "roten Einband und dem kompakten Satzspiegel wie eine Bibel" ausnehme. Für ihn stellt der vorliegende Band das "poetische Testament" des österreichischen Lyrikers dar, und er sieht darin auf beeindruckende Weise die enorme "Spannweite" seiner Lyrik demonstriert. Keiner außer Artmann habe sowohl den Wiener Dialekt als auch die Volksliedform in Gedichten benutzen können, ohne "reaktionär" zu wirken, preist der Rezensent, der daneben in dem Band das "ganze Spektrum" lyrischer Formen vom Alexandriner bis zum japanischen Haiku gefunden hat. Dass der Autor in seinen Gedichten nicht auf die Zerstörung althergebrachter Formen aus sei, sondern sie mit neuen und ungewöhnlichen Inhalten fülle, beeindruckt den Rezensenten und weist dem Autor seiner Ansicht nach eine Sonderstellung unter den Lyrikern seiner Zeit zu. Das "Beste" aber ist, schwärmt der Rezensent, dass man beim Lesen der Gedichte weder die verwendeten Gedichtformen identifizieren muss, noch über die vielen fremden Sprachen und Kulturen Bescheid wissen müsse, die Artmann in seinen Texten anklingen lässt, um sie genießen zu können.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 03.05.2003

Aus zehn mach eins: Die Werkausgabe von 1994, von Artmann gemeinsam mit Klaus Reichert eingerichtet, umfasste zehn Bände - daraus ist jetzt einer geworden, ein dicker, in zehn Abteilungen. Und er ist so "handlich" wie "unentbehrlich" für alle Freunde der Lyrik, versichert der Rezensent Alexander von Bormann. Zu sehen ist, wo Artmann herkam: vom Dadaismus nämlich und der gewagtesten Abart des Expressionismus, August Stramm. Wo er, von Barock bis Kinderlied, sich aus den Traditionen bediente, und wo er hinging: zur makabren Satire, zum derben Dialektgedicht. Wichtig war ihm der "poetische Akt" und fern war ihm alle Gefühlsduselei (wo's um Liebe geht in Artmanns Lyrik, gefällt's dem Rezensenten dann auch nicht so gut). Artmann war entschieden modern, so von Bormann, ein Sprach-Virtuose, dessen Werk im Vortrag erst ganz zu sich kommt. Und keiner konnte Artmann vortragen wie dieser sich selbst als "großartigster Rezitator" des eigenen Werks. Das aber ist jetzt, in einem Band, zu haben und ein jeder, legt diese Rezension dem Leser nahe, sollte es sich kaufen.
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