Albert Ostermaier

Solarplexus

Gedichte
Cover: Solarplexus
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004
ISBN 9783518415924
Gebunden, 140 Seiten, 20,80 EUR

Klappentext

Mit CD. Der Solarplexus ist eine Verdichtung von Nervenzellen, ein Geflecht unter der Haut, das über Nervenfasern ankommende Signale aufnimmt, verstärkt und weiterleitet. Ostermaiers Gedichte zielen ins Innerste, ihr Rhythmus folgt dem Druckreflex, der Beschleunigung des Herzens, der Atemnot, wenn das Blut sich in den Gefäßen staut. Der Ort dieser Gedichte sind die Peripherien, die Wüsten am Rand der Städte, der Blick, der sich in die Netzhaut einbrennt, bevor er sich verliert...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.08.2004

Rezensent Thomas Poiss senkt den Daumen: Nicht viel dran am neuen Lyrikband Albert Ostermaiers. So mag Poiss es nicht mal als Gedichte bezeichnen, was Ostermaier zu Papier bringt, - "Sprach-Clips" scheint ihm der treffendere Ausdruck. Und diese Sprach-Clips, mittels derer sich Dichtung "simulieren" lasse, findet Poiss auch noch randvoll von "Klischees des kommerziellen Zeitgeists". Hier, so tadelt Poiss, sei die "Coolness wohlhabender junger Menschen" mit "Schlagerromantik" schauerlich vermischt. Ironische Distanz vermisst der Rezensent bei Ostermaier schmerzlich. Ansonsten macht sich Poiss recht lustvoll über einzelne Textstellen her. So das Gedicht "luftfeuchtigkeit", bei dem Ostermaier "Wettermetaphorik" als "Dekoration einer Fellatio" nutze; Poiss fragt sich, ob diese "Verbrämung von Physiologie" mittels "Gewitterkitsch" nicht doch zu erschütternd für das "Zwerchfell" des Lesers sei. Auch das Gedicht "bospherusbeats", in dem Ostermaier eine Club-Tour durch Istanbul schildert, findet keine gnädige Aufnahme: Poiss empfiehlt es Reiseveranstaltern für den "Werbeprospekt", um sich damit das "ewige Lachen der türkischen Gemüsehändler" zu sichern. Mit der Bemerkung, dass bei Ostermaier "Gefühlshaushalt, Lifestyle-Pose und poetisches Können deutlich auseinander klaffen", schließt Poiss sein Zerstörungswerk.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.06.2004

Roman Bucheli hat sich Albert Ostermaier Gedichten widerstandslos ergeben. Verführerischer und widerständiger zugleich könne Lyrik kaum sein. "Das zieht und zerrt in diesen Gedichten", jauchzt und frohlockt er, schwärmt von Wortgestöbern, Klanggewittern und Bilderorgien. Allerdings sind die Gedichte gewöhnungsbedürftig, räumt Bucheli ein, kein Satzzeichen führe durch die "syntaktischen Labyrinthe" und auch die unterschiedlichsten Schauplätze können irritieren, sie führen von New York nach Los Angeles, vom Frühstücktisch in die schummrige Kneipe und Notaufnahme, die Grenzen verwischen wie die Bewusstseinszustände. Als die Summe des Bandes bezeichnet Bucheli schließlich das Gedicht "wolken und brüche", das er am traurigsten und zugleich ergreifendsten fand.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 24.04.2004

Der Ton des Ganzen und die Männer ("empfindsam, unbehaust, großstädtisch, sehnsüchtig") die sich durch den Text schlagen oder auch in den Texten geschlagen werden, das kommt dem Rezensenten Nikolai Kubus doch sehr vertraut vor. Von Wolf Wondratschek her nämlich, als dessen Nachfolger Albert Ostermaier sich wohl begreife. Der erste Teil des Bandes ist dabei für Kubus weniger Lyrik als ein Hörspiel, kaum "konturiert" - ein Eindruck, der sich auf der beigelegten CD bestätigt findet. In den verbleibenden beiden Teilen reimt es sich immerhin, meint Kubus, aber die Verse seien doch arg holprig und das stört nicht wenig. Ostermaier hat fleißig alle tagespolitischen Stichworte aus den Nachrichten mitnotiert, aber für große Lyrik, fürchtet der Rezensent, genügt das noch lange nicht.
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