"Der Dichter / ordnet die Sprache / in kurzen Sätzen. / Was über ist, ist das / Gedicht selber", schreibt Ernst Herbeck, der große und traurige Poet, der mit den Worten jongliert und ganz ohne literarisches Netz gearbeitet hat. In den späten vierziger Jahren ist der 1920 geborene Beamtensohn in die Niederösterreichische Landesnervenklinik Gugging gekommen. Als Patient von seinem Psychiater Leo Navratil dazu aufgefordert, hat er kurze Notate und Gedichte geschrieben, die die Welt in ihrem zutiefst irritierenden und zugleich beeindruckenden Überfluss zeigen. Im alltäglichen Sprechen ist Ernst Herbeck bis zu seinem Tod 1991 nie heimisch geworden, und er hat vielleicht gerade deshalb ein einzigartiges poetisches Werk geschaffen, in dem die Sprache als "Notwendigkeit der Menschen" noch einmal erfunden wird.
Der Name Ernst Herbeck mag unbekannt sein, der Dichter ist es - wenigstens unter Kollegen - längst nicht mehr, berichtet Jörg Sundermeier. Bekannt wurden seine Werke unter dem Pseudonym "Alexander", unter dem sie in dem Buch "Schizophrenie und Sprache" des Psychiaters Leo Navratil erschienen waren. Weit mehr als die Hälfte seines Lebens hatte Herbeck in psychiatrischen Anstalten verbracht, und Navratil war es schließlich, der ihn zum schreiben drängte. In "Der Hase!!!!" hat die Literaturwissenschaftlerin Gisela Steinlechner nun etwa zweihundert seiner Gedichte zusammengetragen, erklärt der Rezensent, dem besonders das folgende bezeichnend erscheint: "Je größer das Leid / desto tiefer der Dichter / Umso härter die Arbeit / Umso tiefer der Sinn". Leo Navratil hat sein Leben lang verfochten, dass Menschen in psychiatrischer Behandlung sehr wohl in der Lage sind, Kunst zu produzieren, Herbecks Gedichte geben ihm unbedingt recht, findet Sundermeier.
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