Aus dem Isländischen von Gert Kreuzer. Mit Illustrationen von Laura Jurt. Der isländische Junge Sigmar lebt irgendwo auf dem Land bei seinen Verwandten Björg und Agust. Sein Alltag ist geprägt vom Rhythmus des Hoflebens und von gähnender Langeweile, der er mit selbsterdachten Spielen und dunklen Phantasien zu entfliehen sucht. Eines Tages malt Sigmar ein Bild mit einem Flugzeug, einem Hai, einer Hütte, einem Teich und sich selbst als Eichhörnchen. Unerwartet beginnt das Tier sich zu bewegen, Sigmar verwandelt sich in das Eichhörnchen und verschwindet in seinem Bild. Das Eichhörnchen begibt sich auf Wanderschaft, bezieht in der gleichermaßen von Tieren und einigen Menschen bewohnten Stadt eine Kellerwohnung, geht ins Kino, langweilt sich und trifft auf der Suche nach Möbeln auf den Bären Hildibrandur, der als Antiquar arbeitet.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.10.2011
Nico Bleutge hat Gyrdir Eliassons jüngsten Gedichtband und seinen gerade auf Deutsch erschienenen Roman "Ein Eichhörnchen auf Wanderschaft" gelesen und findet in beiden Büchern die gleiche Sinnlichkeit und gleitende Verbindung von Traumwelt und Realität. Im Roman, der 1987 im Original herauskam, verwandelt sich ein Junge in ein Eichhörnchen und durchlebt seine Ängste und Fantasien aus der Perspektive eines Tieres, erklärt der Rezensent. Die Märchen- und Traumelemente verbinden Eliasson mit großem Geschick mit der erzählten Realität, stellt der Rezensent eingenommen fest. Für ihn manifestieren sich in der Erzählweise des isländischen Autors "romantische Ideen", die er hier fortgeführt sieht. Mit der Übersetzung ins Deutsche durch Gert Kreutzer zeigt sich Bleutge zufrieden, weil er darin einen "eingängigen Ton" vernimmt, der in seinen Augen von solider Übersetzungsleistung zeugt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.05.2011
Rezensent Aldo Keel bespricht kurz, aber nicht ohne Begeisterung Gyrdir Eliassons in Island bereits vor 24 Jahren erschienenen, nun auch ins Deutsche übersetzten lyrischen Prosaband "Ein Eichhörnchen auf Wanderschaft". Der aus zwei Teilen bestehende Roman erzähle zunächst die Geschichte von Pflegekind Sigmar, das von seinen Pflegeeltern nur als Ersatz für das leibliche, verlorene Kind angenommen wird und ein entsprechend einsames und trauriges Dasein führt. Im zweiten Teil folgt der Kritiker dem Protagonisten mit Hilfe eines gezeichneten Eichhörnchens in ein Fantasiereich, das zum Ausdrucksort seiner Angst wird. Keel lobt Eliassons Kurzroman nicht nur als gelungenen Einblick in die isländische Provinz, sondern vor allem als "filigrane, zarte Prosa".
Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Anne Carson: Rot Aus dem amerikanischen Englisch von Anja Utler. Der rote Junge Geryon ist unsterblich in Herkules verliebt, der dem Jüngling nicht zu widerstehen vermag. Auf dem Höhepunkt… Caroline Blackwood: Das Schicksal von Mary Rose Aus dem Englischen von Claudia Voit. Caroline Blackwood, Erbin des Guinness Vermögens und schillernde Figur der Londoner Bohème, hat aus ihrer Herkunft und ihrem Leben keine… Juli Zeh: Pony Show Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet…