Aus dem Isländischen von Tina Flecken. In Valeyri, einem isländischen Fischerdorf, liegen an diesem warmen Mittsommertag Erwartung und freudige Erregung in der Luft: Abends werden die meisten Einwohner bei dem Chorkonzert singen, das Kata dirigiert. Sie radelt durch die Straßen - in zwei Minuten, in denen alle Kata in ihrem blaugepunkteten Kleid vorbeifahren sehen. Zwei Minuten, in denen Geheimnisse und Erinnerungen, vergangene Lieben und Sehnsüchte sich zu einem vielstimmigen Gesang verbinden und in der Luft von Valeyri klingen: Die von Kalli, dem Solisten, der allein in seiner Werkstatt sitzt, umgeben von Geräten und Erinnerungen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.01.2015
Björn Hayer lauscht dem Wind in Gudmundur Andri Thorssons Roman, der dem Rezensenten Island und seine Menschen in einzigartiger Weise näherbringt. Klug konstruiert, wahrhaftig, lakonisch, großartig findet Hayer, wie der Autor Einzelschicksale und Figurenpsychologien entwirft und sie dann in einer "Poetik des Nebels" innerhalb der Dorfgemeinschaft miteinander vernetzt, wie er auch die einzelnen Prosastücke durch Querverweise und Andeutungen vereint. Die Atmosphäre der Andacht und Weltferne, die so entsteht, scheint Hayer gut zu gefallen.
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