Herausgegeben von Alice Becker-Ho. Aus dem Französischen von Ronald Voullie. 'Ich habe mich eingehend mit der Logik des Krieges beschäftigt. Tatsächlich ist es mir vor langer Zeit gelungen, die wesentliche Dynamik des Krieges vermittels eines recht einfachen Brettspiels zu veranschaulichen… Ich habe dieses Spiel gespielt, und in oftmals schwierigen Lebenssituationen einige Lehren daraus gezogen - nämlich Regeln für mein Leben festzulegen, und diese zu befolgen. Während ich mein Kriegsspiel spielte, konfrontierte es mich immer wieder aufs Neue mit überraschenden Wendungen; fast fürchte ich mich davor, dass das Kriegsspiel das einzige meiner Werke sein könnte, dem die Leute irgendeine Bedeutung zumessen. Ich überlasse es anderen, darüber zu urteilen, ob ich daraus die richtigen Lehren gezogen habe.' G. D.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.04.2016
Helmut Mayer liest das Bändchen mit der Beschreibung, die Guy Debord dem von ihm erdachten Kriegsbrettspiel folgen ließ, mit gemischten Gefühlen. Braucht ein Spiel nicht ein Brett und Figuren. Die Verschriftlichung des Spielspaßes als Spielregel kommt bei Mayer jedenfalls nicht so gut an. Ist eher was für Sammler, meint er. Auch wenn Debord sein Spiel nach den Regeln militärischer Organisation und Taktik des klassischen Krieges im 18. Jahrhundert modelliert. Bestenfalls nostalgisch findet der Rezensent die Dokumentation einer Spielpartie zwischen Debord und dessen Ehefrau Alice Becker-Ho.
Rezensent Klaus Bittermann erläutert die Hintergründe des "Kriegsspiels", eines realen und offenbar sehr komplexen Brettspiels, das Guy Debord in den 50er Jahren im Zuge seiner Auseinandersetzung mit diversen Kriegstheorien entwickelt hat und in den 70ern - erfolglos - auf den Markt brachte. Der vorliegende, von Ronald Voullié "hervorragend" übersetzte, auf Französisch 1987 veröffentlichte Band dokumentiert und kommentiert eine Partie, die Debord mit seiner Frau Becker-Ho gespielt hat und die als eine Art theoretischer Appendix zu den in das Spiel eingegangenen Überlegungen zum Wesen des Krieges angesehen werden kann. Der Krieg, erklärt der Rezensent, hat Debord Zeit seines Lebens nicht losgelassen, auch dessen Hauptwerk "Die Gesellschaft des Spektakels" ist von der Beschäftigung damit informiert. Der vorliegende Band - "ein wunderbar sperriges Werk", dem man sich nur schwer annähern kann, so der Rezensent - beleuchte diese wesentliche Facette im Werk Debords.
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