Aus dem Französischen von Roland Frommel. Neun Aufsätze, die die Dekade 1997-2017 umspannen. Darunter ein umfangreicher Text zu Nietzsche aus dem Jahre 2017, der hier überhaupt zum ersten Mal veröffentlicht wird. Plus eine eigens für diesen Band verfasste 80-seitige Einleitung, die den aktuellen Arbeitsstand zu seinem philosophischen Projekt wiedergibt. Alle Texte ausnahmslos sind Erstübersetzungen.
Lässt sich das "Ding an sich" tatsächlich denken? Mit welchem Recht lässt sich einzig die Kontingenz als genau diese "Realität an sich" denken und sich als absolutes Prinzip, als "Prinzip der Faktualität", artikulieren?
Ist es möglich, dass ausgerechnet der moderne Skeptizismus ein solches Prinzip implizit voraussetzt?
Was würde es bedeuten, wenn Humes Problem, entgegen der üblichen epistemologischen Auflösung, eine ontologische Lösung zuließe, wenn die stabilen Naturgesetze auf einem unbeherrschbaren und gesetzlosen Chaos fußten? Wenn sich weder irgendeine bestimmte Realität noch die Naturgesetze verabsolutieren lassen, sondern nur ihr "Anders-Sein-Können" und "Nicht-Sein-Können", ihr mögliches Werden, das sich keinem Kalkül mehr unterwerfen lässt, warum wird dann einigen scheinbar alternativlosen Gegensätzen, wie Atheismus und Theismus, der Boden unter den Füßen entzogen?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.08.2018
Beim Lesen droht Rezensent Michael Hampe der quicklebendigen Verführungskraft der spekulativen Metaphysik des französischen Philosophen Quentin Meillassoux zu erliegen. So anregende Philosophie ist er eigentlich nicht mehr gewohnt. Ausgehend von Nietzsche nimmt Meillassoux das "Hyperchaos" als Ausgangspunkt und Urgrund alles Faktischen, das immer wieder aus dem Zufall herausbricht. Auch ein Gott kommt vor, der aber aufs Gottsein verzichtet und im Übrigen auch nicht unbedingt nötig ist. Hampe erinnert das an die Theoretiker der Thermodynamik, die Physiker Poincare und Thomson, mit Abweichungen, die sicher nur für Spezialisten verständlich sind. Soviel nimmt man dann doch aber mit aus der Kritik: Meillassoux' ist weniger eine begründende als eine "begriffsdichtenden Philosophie", so Hampe. Und da liegt für ihn der Knackpunkt: Beweise und Erklärungen für das Hyperchaos findet er bei Meillassoux nicht. Wunderbare Lektüre, meint er am Schluss, aber richtig ernst nehmen kann er sie nicht.
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