Gustav Adolf Lehmann

Demosthenes von Athen

Ein Leben für die Freiheit. Biografie
Cover: Demosthenes von Athen
C. H. Beck Verlag, München 2004
ISBN 9783406516078
Gebunden, 280 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

7 Abbildungen und 3 Karten. Gustav Adolf Lehmann hat hier den Lebensweg des athenischen Redners und Politikers Demosthenes nachgezeichnet - den Kampf um sein Erbe, seine Anfänge als Advokat und Redenschreiber, seinen Aufstieg als Politiker, seine unablässigen Bemühungen, eine Front gegen die übermächtigen Makedonen zu schmieden, und schließlich seinen Freitod, um den Feinden nicht lebend in die Hände zu fallen. Demosthenes von Athen (384-322 v. Chr.) gilt als der bedeutendste Redner der Antike. Doch schwankt sein Charakterbild in der Geschichte: Während er den einen als der letzte Verteidiger der athenischen, aber auch der gemeingriechischen Freiheit gegen die makedonischen Eroberer unter Philipp II. und seinem Sohn Alexander dem Großen gilt, erscheint er den anderen nur als Hemmschuh der fortschreitenden Historie auf dem Weg zum Hellenismus.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.07.2004

Rezensent Christian Meier führt breit und kenntnisreich in die historische Situation des Redners und Staatsmanns Demosthenes ein, bevor er auf Gustav Adolf Lehmanns Demosthenes-Biografie zu sprechen kommt, die er ein "Plädoyer für den Politiker Demosthenes" nennt. Allerdings hält sich Rezensent Meier mit seinem Urteil über das Buch vornehm zurück. Immerhin bemerkt er, dass die Biografie "nicht ohne Reiz" sei und "manche Erkenntnis" beschere, auch sei sie "verständlich geschrieben". Als Problem sieht Meier jedoch die Distanz heutiger Leser zu antiken Themen; seiner Meinung nach gelingt es dem Buch nicht, diese Distanz zu überwinden und "die Rätselhaftigkeit" des Altertums für moderne Leser zu erschließen. Aber Meier wünscht dem Buch, dass es wenigstens bei den Kennern "eine gute Aufnahme" finden werde.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 22.05.2004

War Demosthenes im Recht, obwohl er nicht Recht behielt? Setzte ihn die Niederlage in der Praxis auch in der Theorie ins Unrecht? Darüber streiten, wie Jürgen Busche in seiner recht ausführlichen Rezension darstellt, die Gelehrten schon lange. Die hegelianisch und preußisch eingestellten Historiker des 19. Jahrhunderts konnten Demosthenes, der den Kampf gegen Philip von Mazedonien verlor, nicht gegen die Geschichte Recht geben, sein jüngster Biograf Gustav Adolf Lehmann aber tut das sehr wohl. Ganz zu Recht, meint der Rezensent, denn der Kampf für die Demokratie bleicht richtig, egal, wie er ausgeht und unter welch widrigen Umständen er geführt wird. Gleichfalls überzeugend findet Busche Lehmanns These, dass Demosthenes' "große Begabung" in der "Verbindung von Außen- und Sicherheitspolitik" lag. Der eine oder andere moderne Ausdruck in Lehmanns Text scheint unserem Rezensenten etwas gezwungen, das ist aber auch schon der einzige kritische Einwand gegen das Buch.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.05.2004

Die Reden des Demosthenes gehörten einst in den Bildungskanon deutscher humanistischer Gymnasien, doch diese Zeiten sind vorbei, bedauert Stefan Rebenich leise und fragt sich, ob die Biografie des Athener Redners und Politikers aus dem vierten vorchristlichen Jahrhundert außer bei ein paar Altertumswissenschaftlern auf Interesse stoßen wird. Lohnenswert ist sie in jedem Fall, bestätigt Rebenich; der Göttinger Althistoriker Gustav Adolf Lehmann habe ein höchst sympathisches Bild des einflussreichen Athener Staatsmannes gezeichnet und dieses facetten- und faktenreich aufbereitet. Nebenbei sei das Portrait eine gelungene Einführung in die griechische Geschichte dieser Zeit und revidiere einige Vorurteile, unter anderem dass die Demokratie der nachklassischen Zeit ein System des Unter- oder Niedergangs gewesen sei. Für Lehmann war sie im Gegenteil eine sehr lebendige Zivilgesellschaft. Auch Darstellungen, wonach der ältere Demosthenes ein ängstlicher und prinzipienloser Friedenspolitiker gewesen sei, widersprecht Lehmann heftig, berichtet Rebenich; für Lehmann sei Demosthenes der Prototyp des Elder Statesman gewesen, der überlegt und vernünftig gehandelt hätte. Zwei Kapitel widmen sich der Rezeption und Nachgeschichte von Demosthenes' Leben und Reden: jede Zeit hatte ihren eigenen Demosthenes, erkennt Rebenich.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.04.2004

Seit Johann Gustav Droysen hat man es sich angewöhnt, die Geschichte des vierten vorchristlichen Jahrhunderts aus dem Blickwinkel des Siegers, des Makedonen Alexanders des Großen, zu betrachten. Für seinen prominenten Widerpart, den Athener Demosthenes, lief das auf eine Umkehrung der Perspektiven hinaus: Denn bis zu Droysens Neugewichtung verstand man, darin Plutarch und Cicero folgend, Demosthenes nicht nur als glänzenden, beispielhaften Redner, sondern auch als glühenden Patrioten, den man für die verschiedenartigsten Fälle von Widerstand gegen Tyrannei in Anspruch nehmen konnte, von Napoleon bis Hitler. Es besteht also die große Gefahr, dass man Demosthenes entweder heroisiert oder marginalisiert. Und dieser Falle ist, das muss Wolfgang Will als Schwachpunkt an Gustav Adolf Lehmanns ansonsten vorzüglicher, ausgewogener und kenntnisreicher Darstellung rügen, "nicht ganz entgangen". Gleichwohl sei diese Biografie des athenischen Staatsmanns zu empfehlen als "ein wichtiges Buch zur richtigen Zeit": "Es ist ein Serum, dessen Immunisierungskraft gerade in einer Zeit gebraucht wird, die wieder einmal Eroberer wie Alexander den Großen zu notwendigen Siegern der Geschichte ausruft."
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.03.2004

Recht angetan zeigt sich Rezensent Karl Christ von Gustav Adolf Lehmanns Biografie des Demosthenes von Athen (384-322), einem der bedeutendsten Politiker und Redner der Antike. Wie Christ ausführt, berichtet Lehmann zunächst über das Bild Demosthenes' im Altertum, um mit einer Schilderung seines Lebens fortzufahren. Die Hauptakzente liegen nach Christ dabei auf Demosthenes' außergewöhnlichen Jugenderlebnissen, dem Prozesskrieg um das väterliche Erbe, seiner Tätigkeit als Verfasser von Gerichtsreden und Anwalt, und seinem Wirken als Rhetor und Politiker in der Auseinandersetzung mit Makedonien. Ein Bericht über "Wiederentdeckung und Nachleben" des Demosthenes rundet das Buch ab. Als "sinnvoll" erachtet es Christ, dass Lehmann seine Biografie mit zahlreichen Übersetzungen von Reden des Demosthenes stützt - zumal dessen Persönlichkeit in Antike wie Neuzeit umstritten blieb. So ist ihm zur Freude des Rezensenten eine "ausgewogene" Biografie gelungen, die Gestalt des großen Redners und Politikers "überzeugend" in den Gesamtprozess der Griechischen Geschichte einordne.
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