Dissertation. Demokratische Gesellschaften stehen heute vor Herausforderungen, die sich mit den Erfahrungen der stabilen Industriegesellschaft kaum bewältigen lassen. Wir leben in einer Zeit, in der das Miteinander in immer geringerem Maße durch gemeinsame Traditionen und Werte gedeckt ist. Verloren ist die relative kulturelle Homogenität nationalstaatlich gewachsener Demokratien. Tradierte Muster demokratischer Organisation spiegeln den normativen und funktionalen Rechtfertigungsdruck bestimmter historischer Konstellationen. Wo sich diese verändern, wird auch das Miteinander bürgerlichen Freiheitsstrebens und politischer Legitimationspflicht andere Muster demokratischer Organisation erzeugen. Das Werk thematisiert diese Veränderungen, welche die bestehenden Gesellschaftsordnungen unter wachsenden Effizienz- und Legitimationsdruck setzen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.11.2002
In aller Kürze stellt der zyk. zeichnende Rezensent Guido Palazzos Dissertation "Die Mitte der Demokratie" vor. Wie zyk. ausführt, unterzieht Palazzo darin Jürgen Habermas' Konzeption einer durch die Kommunikationen Freier und Gleicher (mit)gestalteten Gesellschaft einer Kritik. So bemängelt Palazzo laut Rezensent, dass Habermas unnötige Konzessionen an die Systemtheorie Luhmanns gemacht habe. Palazzo werfe Habermas vor, ohne theoretische Not Luhmann darin gefolgt zu sein, die handelnden und kommunizierenden Individuen zu bloßen Begleiterscheinungen der gesellschaftlichen Funktionssysteme zu erklären. Auch im Blick auf die Möglichkeit, gesellschaftliche Debatten mit Aussicht auf Konsens zu führen, gebe sich Palazzo skeptischer als Habermas. "Nicht in der Übereinstimmung liegt die Kraft der Deliberation", zitiert der Rezensent den Autor abschließend, "sondern darin, Integration zu ermöglichen, wo normative Auseinandersetzungen ohne Aussicht auf Konsens geführt werden."
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