Walküren
Frauen in der Welt der Wikinger

C.H. Beck Verlag, München 2024
ISBN
9783406817540
Gebunden, 304 Seiten, 28,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Franka Reinhart und Violeta Topalova. Walküren entschieden in der nordischen Mythologie über das Geschick von Kämpfern auf dem Schlachtfeld. Auch andere Frauen treten in den isländischen Heldensagen als starke und einflussreiche Figuren auf, die eine bedeutende Rolle in den Machtkämpfen ihrer Gemeinwesen spielten. Aber wie sah die Wirklichkeit hinter den Sagen aus? Die Mediävistin Jóhanna Katrín Friðriksdóttir beschreibt auf Grundlage der neuesten historischen und archäologischen Forschungen die erstaunlichen und vielfältigen Lebenswelten der Wikingerinnen, die nicht nur als Ehefrauen, Mütter und Witwen, sondern auch als Dichterinnen, Mäzenatinnen und Herscherinnen bezeugt sind. Die isländischen Sagas sind Geschichten von Krieg und Kampf, Treueschwüren und Verrat, Mord und Rache, Entbehrungen und Siegen. In dieser Literatur waren Frauen oftmals mit einer beträchtlichen Handlungsmacht ausgestattet und in verschiedenen Machtpositionen vertreten. In anderen Bereichen wurden sie jedoch systematisch unterdrückt und ausgeschlossen. Wir lesen von herzzerreißenden Schicksalen von Mädchen und Frauen, deren traumatische Erfahrungen auch heute noch tief berühren. Der Band bietet einen ausgewogenen Einblick in die Lebenswelten der Wikingerfrauen und zugleich eine Einführung in die dramatische und faszinierende Welt dieser mittelalterlichen Helden- und Heldinnengeschichten aus dem hohen Norden.
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Info)
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.02.2025
Rezensent Tilman Spreckelsen gibt zu bedenken, dass die Quellenlage zur Wikingerzeit eher bescheiden ist. Johanna Katrin Fridriksdottirs Versuch, anhand altnorwegischer und altisländischer Sagendichtungen die Rolle der Frau in den nordischen Gesellschaften jener Epoche zu ergründen, scheint ihn dennoch zu überzeugen. Fridriksdottirs zeichnet anhand der Geschichten das Bild "streitlustiger" Frauen, die mitnichten nur Heimarbeit verrichteten, sondern ihrer Sehnsucht nach Selbstbestimmung Ausdruck verliehen, erkennt Spreckelsen. Besonders ergiebig sind laut Rezensent allerdings nicht die Göttersagen, sondern Texte über reale Geschehnisse und Personen. Hier geht es um Heirat, Wohnen, Besitz und das Unterwegssein - gemeinsam mit den Männern, so Spreckelsen erstaunt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 17.12.2024
Rezensentin Judith von Sternburg hat dieses Buch der Historikerin Jóhanna Katrín Fridriksdóttir über die Frauen der Wikingerzeit mit Interesse gelesen. Fridriksdóttir geht sowohl der alltäglichen Lebenswelt nach, von der man noch konkrete Spuren - Runeninschriften oder Grabstellen - findet, als auch den Sagen und Mythen, die in ihren Augen ebenfalls Realitäten widerspiegeln, wenn auch verwandelte. Da sie immer klar sagt, wofür es keine konkreten Beweise gibt, hat Sternburg mit dieser Herangehensweise kein Problem. Sie lernt, dass die Wikinger eine stark patriarchale Gesellschaft waren, die Frauen jedoch immer sichtbar und aktiv. Einige der Geschichten sind allerdings extrem grausam, so Sternburg. Zarte Gemüter sollten vielleicht lieber Wagner hören.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 16.12.2024
Dass die nordische Kultur des Mittelalters entscheidend von Frauen mitgeprägt wurde, lernt Rezensent Hans von Trotha in dem ansprechenden Buch der in Oxford ausgebildeten Mediävistin Jóhanna Katrín Fridrikstóttir, die zeigt, dass insbesondere um 900 einiges los war. So hat sich etwa die Seefahrt entschieden weiterentwickelt und Frauen waren unter anderem damit befasst, Stoffe zu weben, die als Segel eingesetzt werden konnten, lernt Trotha. Ansonsten lässt sich auch aus der Sagen-Literatur einiges über das Leben der Walküren erschließen, wie Fridrikstóttir im Rückgriff auf so moderne Begriffe wie "Slutshaming" beweist, Trotha erfährt von Plünderungen und sexuellen Übergriffen. Auch das Nachleben der Wikingerinnen in Hoch- und Populärkultur von Wagner bis Game of Thrones zeigt die Verfasserin ihm anregend und macht ihm klar, dass auch diese Zeit "von einflussreichen Frauen geprägt" war.