Gregor Sander

Abwesend

Roman
Cover: Abwesend
Wallstein Verlag, Göttingen 2007
ISBN 9783835301436
Gebunden, 156 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Christoph Radtke, Anfang 30, hätte es schlechter treffen können. Zwar hat er unlängst die Arbeit verloren, aber zusammen mit seinem Kumpel Robert lässt er sich's auf dem Dach eines Berliner Mietshauses gutgehen, und wirklich Sorgen um sein Auskommen scheint er sich nicht zu machen. Gerade wird er von seiner Mutter nach Schwerin ins Elternhaus gerufen, weil die in den Urlaub nach Lanzarote fahren will: Er soll sich um seinen Vater kümmern, der nach einem Schlaganfall seit Monaten im Wachkoma liegt. Eigentlich erledigt das aber routiniert schon Kristina, eine junge Bulgarin, die von der Zeit schwärmt, als sie in ihrer Heimat noch in renommierten Orchestern gespielt hat. Christoph legt sich an den in die Jahre gekommenen Pool; seinerzeit ­ Baujahr 1974 ­ war er der einzige in der Stadt, steingewordenes Zeichen für die Kraft der gutbürgerlichen Familie, der sozialistischen Tristesse zu trotzen. Aber Christoph will von der Vergangenheit nichts wissen und wartet auf eine Zukunft. Hier will einer seine Ruhe haben und wird sie nicht bekommen...

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.08.2007

Gregor Sanders Roman "Abwesend", in dem ein 30-jähriger Sohn zur Pflege seines nach einem Schlaganfall gelähmten und stummen Vaters nach Schwerin kommt und dort tief in seine eigene Geschichte in der DDR eintaucht, kann Joseph Hanimann trotz vieler gelungener Passagen nicht überzeugen. Der Rezensent bescheinigt dem Autor zwar Sinn für spannungsreiche Szenen und atmosphärische Dichte, er bemängelt aber den seiner Ansicht nach fehlenden großen Bogen des Romans. Und so bleiben die vielen durchaus genau getroffenen Rückblicke, Erinnerungsfetzen und Anekdoten aus der DDR-Geschichte eine lose Sammlung mit allzu vielen Abschweifungen und die geistige "Abwesenheit" des Vaters eine Banalität, wo sich hier doch echte "Leere" hätte entlarven können, so Hanimann enttäuscht.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.06.2007

Ein begabter Autor, keine Frage - aber mit dem Romanformat ist er, wie Beate Tröger leise bedauert, noch nicht ganz zu Rande gekommen. Einigermaßen allegorisch klingt die Geschichte, die Gregor Sander hier erzählt: Christoph, arbeitsloser Architekt, kehrt nach Schwerin zurück, in die Stadt seiner Kindheit, wo sein Vater nach Schlaganfällen im Wachkoma liegt. Der Swimmingpool hat Risse bekommen und hinter der Fassade der Familie ist auch nur noch wenig in Ordnung. Bruder Gerd ist Alkoholiker, Mutter und Schwester sind krampfhaft um Wahrung des Scheins bemüht. Tröger fühlt sich - und sie vermutet dahinter auch Absicht - an Max Frischs "Homo Faber" erinnert. Viele Einzelbeobachtungen findet sie treffend, insgesamt werde daraus aber kein wirklich überzeugendes Stück "Verstörungsliteratur".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 19.05.2007

Die Rezensentin Antje Korsmeier ist offenkundig enttäuscht von diesem Romandebüt von Gregor Sander. Es vermittelt ihr das Gefühl, all das "schon mal woanders gelesen zu haben. Und zwar besser". Problematisch findet sie unter anderem, dass der Anfang der Geschichte Erwartungen weckt, die die weitere Entwicklung nicht einhalten kann. Und obwohl Sander nach Meinung der Rezensentin sein Handwerk versteht, ist sie doch von den stilistischen Details von "abwesend" wenig angetan. Beispielsweise stört sie der "dahinplätschernde Tonfall", der das Leiden seiner Protagonisten nur beschreibt, statt es mit Leben zu füllen. Auch findet er die Art und Weise, wie die Charaktere gezeichnet werden, etwas plump. Das zentrale Problem ist nach Korsmeiers Meinung jedoch, dass der Roman inhaltlich einfach überfrachtet ist: "So bleibt wenig Raum für Nuancen."
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