Gore Vidal

Ewiger Krieg für ewigen Frieden

Wie Amerika den Hass erntet, den es gesät hat
Cover: Ewiger Krieg für ewigen Frieden
Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2002
ISBN 9783434505396
Broschiert, 132 Seiten, 13,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Bernhard Jendricke und Barbara Steckhan. Gore Vidal sieht die Attentate des 11. September nicht losgelöst als "Angriff auf die westliche Zivilisation", sondern begründet im Verhalten der USA als einer "imperialen Nation"; er erkennt Parallelen zwischen Amerikas gewalttätiger Einmischung in die inneren Angelegenheiten fremder Staaten und der Einschränkung der Grundrechte der amerikanischen Bürger, spätestens nach dem Oklahoma-Attentat von 1995 und Präsident Clintons Anti-Terror-Programm, das dem FBI militärische Mittel gegen das eigene Volk erlaubt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.10.2002

"Ein erschreckendes Buch, das zum Nachdenken anregt." In der Radikalität seiner Ausführung kaum zu überbieten, so Stefan Fröhlich, der sich um eine maßvolle Einschätzung der vorgelegten Thesen bemüht. Gore Vidal, der als das Enfant terrible unter den Intellektuellen Amerikas gilt, fragt nach den Ursachen und der Schuld für die -Terroranschläge auf die USA. Dem Rezensenten bleibt nichts anderes übrig, als die zentralen Argumente des Buches aufzuführen, mit denen der Autor zu beweisen versucht, dass das Ausmaß der Gewalt vor allen Dingen auf die rücksichtslose Herrschaft der US-amerikanischen Regierung zurückzuführen ist. So sei zu lesen, dass die Anschläge - zu denen natürlich auch der Bombenanschlag auf die Bundesbehörde in Oklahoma City aus dem Jahre 1995 zählt- als Reaktion auf den "Krieg im eigenen Land" und in der Welt zu verstehen seien. Die Schuld für den Anschlag am 11. September sieht der Autor somit nicht allein bei Bin Laden, sondern in dem "präventiven Staatsterror" Washingtons begründet, wie aus dem Buch zitiert wird. Dies sind für Fröhlich wahrlich alles "ungeheuerliche Thesen". Dass sich aber jemand so weit vorwagt, scheint bei ihm einen gewissen Respekt hervorzurufen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.10.2002

Gore Vidal glaubt an das "gute Amerika" und steht deshalb nach Meinung des Rezensenten Claus Leggewie in der "Tradition des Populismus, der gegen die Bonzen daheim und alle Abenteuer draußen in der Welt Sturm läuft". Teilweise findet Leggewie die Polemiken von Gore Vidal recht interessant. Vor allem Vidals Auseinandersetzung mit dem Oklahoma-Attentäter McVeigh hat seiner Meinung spannende Aspekte: "Mit dieser Argumentation ist es Vidal gelungen, Amerika ausgerechnet mit seinem schlimmsten Feind den Prozess zu machen." Das andere große Thema seiner Essays ist der 11. September. Bei diesem Thema liegt er nach Leggewies Meinung deutlich öfter falsch als bei seiner Beschäftigung mit amerikanischer Innenpolitik. Der Rezensent stößt sich vor allem an der Undifferenziertheit, mit der Vidal alle militärischen Auslandseinsätze nebeneinander auflistet. Diese Herangehensweise findet Leggewie "ebenso provinziell" wie George Bushs "Wir oder Sie" Getöse.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.09.2002

Der mit "std." zeichnende Rezensent bespricht einen anlässlich des 11. September zusammengestellten Essayband von Gore Vidal. Grundthese der Beiträge sei es, dass Anschläge wie die in Oklahoma oder New York letztlich Reaktionen auf den amerikanischen "Staatsterrorismus" seien, den die Vereinigten Staaten seit dem Zweiten Weltkrieg in die Welt hinaustrügen. Untermauert werde diese These durch eine detaillierte Liste aller völkerrechtswidrigen Kriege und Militäraktionen, die die USA in dieser Zeit durchgeführt haben. Kern der Sammlung sei ein Porträt über den Oklahoma-Attentäter, in dem Vidal "einfühlsam" darstelle, wohin fehlgeleitete amerikanische Tugenden führen können. Das Fazit des Autors sei, dass derartige Auswüchse immer wieder passieren würden, solange die Bundesbehörden "die Bürgerrechte schleichend aushöhlen"; das Fazit des Rezensenten lautet dementsprechend, dass das Buch ein überaus "notwendiges Ärgernis sei".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.07.2002

Eine wunderbare Rezension liefert Marcia Pally für die FR zu Gore Vidals neuem Buch, in dem er den Tod der Amerikanischen Republik betrauert. "Weltweit nörgelt niemand besser an Amerika herum als Mr. Vidal", lobt Pally, auch Arundhati Roy oder Noam Chomsky seien bei weitem nicht so gut. Diesmal hat sich Vidal die Militarisierung der USA und die "imperialistische Konzentration von Reichtum" durch Öl- und Rüstungsindustrie vorgenommen, mit der die fundamentalistischen, rechtslastigen Protestanten im Bunde seien. Pally findet hierfür die Formel der "Bush-Cheney-Ashcroft-Praxis des Bösen". Ein Buch also, das vor allem Europäern gefallen wird, schätzt Pally, da ihnen "nach Jahrhunderten bestialischer Unterdrückung zuhause und in den Kolonien endlich die Kraft fehlt, eine andere Rolle zu spielen als die des braven Buben". Bedauerlich findet Pally allein, dass Vidal das Buch geschrieben hat, bevor die neuen Anti-Terror-Gesetze nach dem 11. September erlassen wurden: "Das wäre ein Schlachtfest geworden."