Gisela Henckmann (Hg.)

Mein Herz war ganz erfüllt

Romantische Reisebriefe. 2 Bände
Cover: Mein Herz war ganz erfüllt
Aufbau Verlag, Berlin 2000
ISBN 9783351028961
Gebunden, 600 Seiten, 65,45 EUR

Klappentext

Das Wesen des Romantischen: hier finden wir es, in Texten und Bildern aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts: mit ihren Landschaftsbeschreibungen, der Schilderung von Land und Leuten, dem Hang zum Ungewöhnlichen, der Liebe zur Überlieferung und der Faszination durch das Werden und Vergehen der Natur. Den Eltern, dem zu Hause gebliebenen Ehegatten, der Braut, den Freundinnen und Freunden teilen sich die Reisenden mit - ob einzeln unterwegs in unwirtlicher Natur oder in geselliger Ausflugsrunde, ob wandernd oder reitend, per Schiff oder mit der Postkutsche. Herausgefordert durch die Erwartungen des Briefpartners, entstehen bezwingende Prosastücke wie die Reise-Aufzeichnungen Eichendorffs, Kleists ironisch glänzende Briefe aus Sachsen, die tief bewegenden Schilderungen Dorothea Schlegels, Bettinas hochemotionale Briefe an Goethe, dessen plötzliches Erscheinen wiederum Rahel Varnhagen in einen Enthusiasmus sondergleichen versetzt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.03.2001

Dies ist keine Rezension im üblichen Sinne, sondern eine der Vollmannschen Wanderungen durch das besprochene Buch, ein Florilegium zuletzt mit vielen - wie immer sehr schön gewählten - Zitaten daraus. Form der Besprechung und Inhalt der zwei Bände kommen sich diesmal besonders nahe, da es sich eben um romantische Reisebriefe handelt. Sehr ins Herz geschlossen hat Vollmann Bettine Brentano, aus deren Briefen er sehr ausgiebig zitiert, etwa Bettine an Goethe: "Du schreibst mir, meine Briefe versetzen Dich in eine andre Gegend; - versetzen sie Dich denn auch zu mir?" - und nochmal Bettine an Goethe, zum Problem des Genres Reisebrief: "Warum Dir schreiben? warum nicht lieber vor Dir stehen und Dich küssen? wäre besser .. .". Ebenfalls typisch, dass sich Vollmann in eine Art Dialog begibt mit den Autoren und Autorinnen, er reist ihnen ja auch immer hinterher, er kommentiert, was sie schreiben, meistens im Plauderton, aber oft genug treffen diese Bemerkungen sehr genau. Den zweiten Band, mit Reisebriefen aus dem Ausland, findet er im übrigen fast genauso schön wie den ersten, nur Bettine fehlt ihm. Dafür finden sich da viele Briefe von Fürst Pückler-Muskau, und gegen den hat Vollmann anscheinend was: "dann ist der Pückler-Muskau sogar in Afrika, da hätte er bleiben sollen."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.03.2001

Zwar findet Wieland Freund Henckmanns "Gliederungsprinzip zumindest problematisch", womit vor allem die Einteilung nach Landschaften gemeint ist (Band 1 enthält Briefe aus dem Inland, Band 2 aus dem Ausland). Und auch die Tatsache, dass viele "recht unromantische Briefe" aus Amerika vielen wesentlich ergiebigeren aus Italien der Vorzug gegeben wurde, stößt beim Rezensenten auf Unverständnis. Doch Freund will es mit der Kritik nicht übertreiben. Insgesamt bewertet er die Edition als "Schatzkästlein", besonders weil der Band über eine ganz besondere Zeit Zeugnis ablegt, nämlich die, in der das Reisen populär wurde, die Eisenbahn jedoch "noch nicht (oder gerade erst) fuhr". Dabei wird dem Leser, so Freund, vor allem eines klar, was Paul Virilio seiner Ansicht nach am Besten beschrieben hat: "Nichts reist schneller als ein Bild".
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