Giorgio Agamben

Mittel ohne Zweck

Noten zur Politik
Cover: Mittel ohne Zweck
Diaphanes Verlag, Freiburg - Berlin 2001
ISBN 9783935300100
Broschiert, 151 Seiten, 14,83 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Sabine Schulz. Warum konstituiert der Ausnahmezustand die Grundstruktur einer jeden staatlichen Ordnung? Weshalb hat der Begriff Menschenrechte ausgedient? Was hat die Ununterscheidbarkeit von Öffentlichem und Privatem zur Folge? Inwiefern ist das Lager der biopolitische "nomos" der Moderne? Was wäre der Ort und was der Raum einer künftigen "polis"? Die hier versammelten Texte entfalten eine radikale Kritik von Politik im Zeitalter entleerter Kategorien. Im Rückbezug auf Hannah Arendt, Carl Schmitt und Michel Foucault skizziert Giorgio Agamben neue Perspektiven des Politischen im Kontext der heutigen demokratisch-spektakulären Gesellschaften. Entwürfe über die Lebens-Form, die Sprache als Ort des Politischen par excellence und das Gestische als eine Sphäre der reinen "Mittel ohne Zweck" markieren das Feld eines kommenden Denkens.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.04.2002

Pure Verzweiflung überfiel den Rezensenten Jürgen Lau angesichts der Thesen, die der italienische Philosophieprofessor Agamben in diesem Werk unter anderem zu der "demokratietheoretischen Problematik des Begriffs Volk" und der damit zu begründenden Judenverfolgung in Nazideutschland anführt: Zwischen dem Volk als gesamtem politischen Körper und dem Volk, das aus vielen Individuen bestehe, herrsche ein "inwendiger Krieg, der jedes Volk entzweit", sagt der Autor laut Rezensent. Die Juden hätten die "Integration in den nationalen politischen Körper verweigert" und ihre Ausrottung sei der "Versuch, die Spaltung, die das Volk entzweit" zu schließen, schreibt Lau fassungslos zu dieser Rechtfertigung von NS-Propagandalügen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.03.2002

Mit seinem soeben ins Deutsche übersetzten Buch "Homo Sacer" ist der italienische Philosoph Giorgio Agamben als politischer Denker in Erscheinung getreten - in diesem schmalen Band ist dagegen, so der Rezensent (Kürzel ff.), der "Ästhet und Aphoristiker Agamben kennenzulernen". Im Original erschien das Buch vor sechs Jahren, aus manchen der als solche auch gedachten "Skizzen und Vorüberlegungen" sind inzwischen umfangreiche Bücher geworden. Der Rezensent konstatiert eine Verwandtschaft der Texte zu Adornos Fragmenten und Aphorismen in den "Minima Moralia". Und dennoch, findet ff., gebe es hier "einen neuen Ton in der Ästhetik" zu hören. Besonders gelungen scheinen ihm das Fragment über "Das Angesicht" und die "Noten zur Geste".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.02.2002

Zeit, das politische Vokabular der Gegenwart anzumessen. So lautet die Forderung, die Rene Aguigah aus den, wie er schreibt, bislang von der Kritik kaum beachteten im Original bereits 1996 erschienenen "Gelegenheitsschriften" Giorgio Agambens herausliest. Brisant an dem schmalen Band findet Aguigah indes weniger Agambens "Abbrucharbeiten an Begriffen" an sich, als vielmehr den Umstand, dass der Autor im Fortbestehen überholter politischer Begrifflichkeiten Elemente totaler Herrschaft ausmacht und zwar nicht nur in Nazismus und Stalinismus, sondern auch "in der Praxis des liberalen Rechtsstaats". Im Wie der Argumentation erkennt Aguigah allerdings ein für den Autor typisches Problem: Nach einer Exposition, "die von genauen Beobachtungen ausgeht" und einer Durchführung, "die eine Paradoxie konsequent an ihr Äußerstes treibt", lasse Agamben einen Schluss folgen, der das bearbeitete Feld so bombastisch verallgemeinere, "dass ihm die Prägnanz der akribischen Untersuchung verloren geht". Als Einführung in das Werk des Autors hält der Rezensent das Buch dennoch für geeignet, zumal in dieser "sehr sorgfältigen Übersetzung".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 27.11.2001

Was soll das sein, ein Mittel ohne Zweck? Eine Antwort findet Christian Schlüter in dieser Sammlung kürzerer Texte aus den 90er Jahren. Genauer: in einem "durchgängigen Motiv" des Autors findet er sie, dem "Versuch, die Vereinseitigungen, die Zurichtungen dessen, was er (Agamben) 'bloßes Leben' nennt, zu unterlaufen", und zwar im Rekurs auf Leute wie Arendt oder Foucault und in Richtung auf eine "Neuperspektivierung des Politischen". Für den Autor, so Schlüter, markiere die Formel gleichsam "eine theoretische wie praktische Unmöglichkeit, eine Grenze des Denkens und des Handelns", die er immer dann in Anschlag bringe, wo es ihm gelte, das Herkömmliche zu durchbrechen. Dass sich der Autor dabei allzu sehr auf die "Perspektive des Eigenen" beschränkt, hält der Rezensent für einen echten Nachteil. Mit der Alterität fehle die Dimension des Sozialen und damit die Anschlussfähigkeit dieser "zudem nur andeutungsweise formulierten Neukonzeption des Politischen". Bleiben dem Rezensenten eine eher herkömmliche Kritik "essentialistischer und / oder rassistischer Identitätspolitik" und ein trotz allem "anregendes" sowie, der "eleganten Übersetzung" sei Dank, "gut lesbares" Buch, das sich zudem als "gute Einführung" in das Werk des Autors eignet.
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