Aus dem Italienischen von Piero Salabe. Mit einem Nachwort von Giorgio Agamben. Patrizia Cavallis Lyrik handelt von Erscheinungen des Alltags, von der Heimtücke der Gefühle, der Fülle und Leere der Liebe oder vom ungleichen Kampf gegen die Zeit. Momentaufnahmen ihrer Heimatstadt Rom, Epigramme und Gedankenlyrik wechseln sich ab. Als stolpere die in Umbrien geborene Dichterin immer wieder in die trügerische Musik der Sprache, die den Eindruck eines längst aufgegebenen Sinns zu erwecken scheint.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.04.2010
Maike Albath hat die italienische Lyrikerin Patrizia Cavalli auf einer ihrer Lesungen erlebt, die, wie die Rezensentin weiß, in Italien "Kultstatus" genießen, und hat sich ganz in den Bann der musikalischen Sprache schlagen lassen. In den Gedichten geht es häufig um das kostbare, nur momenthaft zu erreichende Aufgehen im Dasein, meint die Rezensentin, die insbesondere in der "überraschenden Überblendung von Begriffen" die Sogwirkung dieser Lyrik festmacht. Cavalli gehört nicht in die Tradition der italienischen Hermetik, sondern fühlt sich der erzählenden Lyrik eines Umberto Saba oder Sandro Penna verwandt, so Albath, die in den Texten Handlung und Figurenreichtum entdeckt. Bei aller Alltagssprachlichkeit, die durch einen hohen Ton immer wieder "durchlöchert" wird, darf man sich keineswegs dazu verführen lassen, Cavallis Gedichte zu unterschätzen, die doppelbödiger sind, als sie zunächst scheinen, wie Albath betont. Ganz und gar begeistert ist sie auch von der Übersetzung ins Deutsche von Piero Salabe, dem es insbesondere glänzend gelinge, den "Groove" der Originale zu übertragen, wie die Rezensentin preist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.09.2009
Rezensent Jan Volker Röhnert schwelgt intensiv in den zwischen 1974 und 2006 entstandenen Gedichten von Patrizia Cavalli, von denen der vorliegende Band eine Auswahl bietet, und hingerissen zitiert er ganze Verse. Für den Rezensenten versteht es sich von selbst, dass bei aller lobenswerten Genauigkeit des Übersetzers Piero Salabe eine deutsche Übersetzung nicht mit der Melodik und der Eleganz der italienischen Sprache mithalten kann. Umso dankbarer ist er deshalb, dass die zweisprachige Ausgabe auch die italienischen Originale zugänglich macht, die er wegen ihres Klangs zum laut Lesen empfiehlt. Insbesondere die Selbstverständlichkeit und Klarheit der Gedichte bringen Röhnert zum Schwärmen. Als eines ihrer Hauptthemen macht er das, wie es bei Cavalli heißt, "immer offene Theater" der Liebe aus. Ganz falsch wäre es in den Augen Röhnerts, Cavalli als reine Frauen-Dichterin in der Tradition Gertrude Steins zu vereinnahmen, er betont enthusiastisch, dass sich in ihren Versen "alle" "wieder erkennen".
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