Aus dem Italienischen von Karin Fleischanderl. In vier Gesprächen mit dem ehemaligen Richter, Senatsabgeordneten und Schriftsteller Gianrico Carofiglio geht es um die komplexe und oft flüchtige Beziehung zwischen politischem Handeln, unserer Sprache und dem Prinzip der Wahrheit.
Wenn in einer Gesellschaft das Vertrauen zur Sprache verloren geht, befindet sie sich in einem schlechten Zustand: Denn auf den Bedeutungsverlust des Diskurses folgt meist die gefährliche Entmachtung der staatlichen Institutionen.
Ein Plädoyer für kritisches Denken, das dabei hilft, Manipulationen zu erkennen und zu vermeiden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.07.2019
Rezensent Justus Bender ist auf der Hut beim Lesen von Gianrico Carofiglios Gesprächen über Politik und Wahrheit. Der Gesprächspartner des ehemaligen Richters, der Journalist Jacopo Rosatelli, scheint ihm da weniger wachsam und lässt Carofiglio nicht nur "Namenskonfetti" von Flaubert bis Konfuzius durchgehen, sondern auch den ein oder anderen eindeutigen Widerspruch. Am besten gefallen Bender Carofiglios Ausführungen zur Lüge in der Politik. Schön reiben kann er sich etwa an der Aussage, Politiker sollten im Namen der Moral ruhig lügen dürfen. Wenn Carofiglio das auch noch mit Kant zu untermauern versucht, geht Bender der Hut hoch. Das sorgt für frischen Wind am Kopf, aber auch für Schwindel beim Rezensenten.
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