Im Zentrum dieser Edition stehen die Briefe, die Gertrud Kolmar von September 1938 bis zu ihrer Deportation im März 1943 nach Auschwitz an ihre in die Schweiz emigrierte Schwester Hilde Wenzel schrieb. Sie schreibt von der immer schwieriger werdenden und schließlich ausweglosen Lage der letzten Juden in Berlin und gibt der Schwester umfassende und häufig verschlüsselte Einblicke in ihr Erleben, ihr Schaffen und in ihre Erinnerungen. Insbesondere die letzten Briefe vor der Deportation lesen sich wie ein bewusstes Vermächtnis der Dichterin. Neben den Briefen an die Schwester enthält der Band die wenigen überlieferten frühen Briefe an Jacob Picard und Walter Benjamin. Darüber hinaus werden in diesem Band die neu entdeckten Briefe und Postkarten an die Schauspielerin und Schriftstellerin Leni Steinberg erstmals veröffentlicht.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.01.2015
Diese Ausgabe der Briefe Gertrud Kolmars - u.a. an ihren Cousin Walter Benjamin, den Dichter Jacob Picard und ihre Schwester Hilde Wenzel-Chodziesner - enthält einige Weiterungen zur Ausgabe von 1997, schreibt Rezensentin Beatrice Eichmann-Leutenegger und zählt auf: Familienstammbaum, erweitertes Namensregister, Biografieabriss und drei Briefe von 1937 an die Schriftstellerin und Schauspielerin Leni Steinberg, die damals schon nach Amerika emigriert war. Im dritten Brief antwortet Kolmar auf einen Kommentar Steinbergs zu ihren Gedichten. Im zweiten Brief lotet sie vorsichtig eigene Möglichkeiten einer Auswanderung aus, so die Rezensentin. Doch dann entschloss sie sich offenbar ihres Vaters wegen zu bleiben. Für beide endete der Weg im Konzentrationslager. Gertrud starb in Auschwitz, ihr Vater in Theresienstadt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.01.2015
Mit großer Bewunderung hat Rezensent Wolfgang Schneider die nun in einer überarbeiteten Neuausgabe vollständig editierten Briefe Gertrud Kolmars gelesen. Er würdigt die autobiografischen Dokumente der jüdischen Schriftstellerin, die als Schwester Franz Kafkas bezeichnet wurde, als faszinierende Texte, in denen sich das Eigentliche vor allem zwischen den Zeilen offenbart. So liest er bisweilen irritiert zahlreiche private Notizen Kolmars, etwa an ihre in die Schweiz emigrierte Schwester, in denen sie vom Alltag der Zwangsarbeit erzählt, das Grauen des Nationalsozialismus, den Antisemitismus und den Terror aber nur gelegentlich erwähnt. Vielmehr kreist die Autorin um die schmerzlich erlebte Kinderlosigkeit, schreibt bewegende Briefe an ihre Nichte, erzählt vom Zusammenleben mit dem Vater auf immer kleiner werdendem Raum und erträgt den Kriegsalltag als Jüdin in Berlin mit einem unvergleichbaren Stoizismus, notiert der tief beeindruckte Kritiker. Nicht zuletzt bewundert Schneider die sanfte Mischung aus Ironie und Melancholie, die den Briefen Kolmars unterlegt ist.
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