Klappentext

Der Lebensweg Walter Kempowskis ist exemplarisch für die wechselvolle Geschichte des deutschen Bürgertums im 20. Jahrhundert. Mit diesem Buch werden Leben und Werk des großen deutschen Chronisten erstmals im Zusammenhang dargestellt. Chronologisch werden dabei die vier existentiellen Komplexe Kindheit und Jugend in Rostock, Inhaftierung in Bautzen, Tätigkeit als Pädagoge und schriftstellerische Arbeit behandelt. Dirk Hempel ist langjähriger Mitarbeiter Walter Kempowskis u.a. beim Echolot-Projekt und kennt den Autor seit vielen Jahren.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 29.04.2004

Benedikt Erenz findet es bedauerlich, dass Walter Kempowski nie einen Literaturpreis bekommen hat. Viel zu viel Kritik habe der Autor, der sein erstes Werk über acht Jahre Bautzen geschrieben hat, aushalten müssen. Den Werdegang des Schriftstellers, der immer "verdrossen unverdrossen" weiter geschrieben habe, kann man nun in der Biografie nachlesen, die Dirk Hempel angesichts des 75. Geburtstags Kempowskis veröffentlicht hat. Eine "schöne Chronik" ist da entstanden, mit Geschichten, die "seltsam berühren", lobt Erenz. Vor allem die vom späten Aufstieg des Autors, den eine "jüngere Generation", angeführt von Max Gold, Gerhard Henschel und Benjamin von Stuckrad-Barre, endlich für sich entdeckt habe. So sei das Werk des "großen Erzählers, Chronisten und Humoristen" jetzt "so richtig aufgeblüht". Und Preise dafür, glaubt der Rezensent, "braucht" Kempowski gar nicht mehr.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.04.2004

Rainer Moritz erinnert daran, wie verkannt Walter Kempowski lange war und vielerorts auch heute noch ist: als konservativ verschrieen, war er ein Fremdkörper in der sich ihrer selbst versichernden literarischen Landschaft der Bundesrepublik, als er 1969 mit "Im Block" debütierte. Irgendwann dann, beim "Echolot"-Projekt, änderte sich langsam das Bild, das man sich vom Außenseiter Kempowski machte. Das lässt sich nachvollziehen in Dirk Hempels "schnörkelloser" Biografie, die Moritz zufolge die Laufbahn des Schriftstellers - die Haft in Bautzen, die gleichzeitige Existenz als Dorfschullehrer und Erfolgsautor, die Öffnung seines Hause für literarische Pilgerer - in den Mittelpunkt rückt und auf eine Werksanalyse verzichtet. Recht so, findet der Rezensent und weist auf eine Erkenntnis des Buches hin, die allein schon Grund genug sein sollte, Kempowski endlich seines Ranges entsprechend zu würdigen: Er sei nämlich einer der "wenigen Vertreter seiner Generation, die Einfluss auf die heute 30- und 40-jährigen Autoren ausüben".
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