Im 20. Jahrhundert sieht sich die Philosophie radikal infrage gestellt. Sie muss ein neues Selbstverständnis entwickeln. Gerhard Gamm schreibt seine Geschichte der Philosophie im Zeitalter der Extreme entlang von vier großen Themenkomplexen: Das erste Kapitel beschäftigt sich mit dem Leben: das, was in uns nicht philosophiert (Unbewusstes, Leib, Angst), soll in den Text der Philosophie aufgenommen werden. Im zweiten Kapitel geht es um die spannungsreiche Auseinandersetzung mit Wissenschaft und Technik. Die Wende zur Sprache gilt schließlich drittens als das herausragende Kennzeichen der Philosophie des 20. Jahrhunderts. Auch hier stehen die Zeichen auf Sturm. Zuletzt konfrontiert uns das vierte Kapitel mit dem Generalvorwurf, dass die Philosophie angesichts solch menschheitsvernichtender Akte der Barbarei wie Auschwitz versagt habe. Kann die Philosophie darauf Antworten finden?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.08.2010
In seiner Besprechung dieser philosophischen Jahrhundertbilanz von Gerhard Gamm diskutiert Rezensent Ralf Konersmann vor allem die Frage, ob Philosophiegeschichte noch als fortschreitender Vernunftmonolog im Hegelschen Sinne denkbar wäre. Denn auch wenn sie nicht mehr Triumphgeschichte sein kann, darf sie den Anspruch aufgeben, Sachwalterin der Vernunft zu sein? In Konersmann Augen hat Gerhard Gamm eine elegante Form gefunden, um die Tatsache, dass sich im 20. Jahrhundert "Wirklichkeit und Vernunft" weiter denn je voneinander entfernt haben, indem er die Philosophie dieser Epoche eine dem Zeitalter der extreme unterworfene darstellt. Wie Gamm dies nun genau bewerkstelligt, welche Philosophen und welche Richtungen er in seiner Bilanz wie darstellt, ist der Rezension nicht zu entnehmen, Konersmann bleibt da ein wenig abstrakt. Allerdings erfahren wir, dass Gamm sich für den Geschmack des Rezensenten etwas ungebührlich ins Bild drängt, allerdings auf Rorty sehr "scharfzüngig" antwortet und auf der "Zeitgenossenschaft der Vernunft" anstelle des Pragmatismus beharrt.
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