Was verbirgt sich hinter Wendungen wie "den Rubikon überschreiten", "Tantalusqualen erleiden" oder "die Gretchenfrage stellen"? Worin liegt der Unterschied zwischen "effizient" und "effektiv"? Ist ein Feinschmecker ein "Gourmet" oder ein "Gourmand"? Und was genau bedeuten eigentlich Wörter wie "apodiktisch", "insinuieren", "volatil" oder "Subsidiarität", ohne die keine politische oder wissenschaftliche Diskussion auskommt?Ausdrücke wie diese zählen auch heute zum allgemeinen Bildungswortschatz, der in den Schulen und Universitäten aber kaum noch vermittelt wird. Das Buch von Gerhard Augst leistet hier Abhilfe: Es stellt diesen Wortschatz zunächst systematisch vor und erläutert dann über 2.000 Wörter und Wendungen in alphabetischer Reihenfolge. Dieses Verzeichnis wird begleitet von anschaulichen und aktuellen Beispielsätzen aus der Presse, dem Fernsehen und dem Internet. Die Anordnung nach Wortfamilien und häufig auftretenden Wortstämmen macht es außerdem möglich, unbekannte Bildungswörter selbst zu erschließen. Denn nur wer den Bildungswortschatz kennt und beherrscht, kann Texte besser verstehen und mitreden.
Rezensent Horst Haider Munske erweitert seinen Bildungswortschatz mit diesem Buch des Siegener Sprachwissenschaftlers Gerhard Augst. Zunächst einmal lernt der Kritiker zwischen klassischem und modernem Bildungswortschatz zu unterscheiden, aber auch von der Herkunft vieler Begriffe liest der Rezensent hier: So erfährt er etwa, dass der lateinisch-griechische Ursprung vieler Wörter im Deutschen daraus resultiert, dass beide Sprachen lange als "Steinbruch" für neue Fremdwörter dienten. Das umfassende Wörterverzeichnis macht das Buch auch zur nützlichen Lektüre für Deutschlehrer, schließt der Kritiker.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.05.2019
Wolfgang Krischke sieht die Bildungssprache unter Druck. Gerhard Augst und seine laut Rezensent in schönem Bildungsdeutsch verfasste Beschreibung dessen, was Bildungssprache als Stil- und Kommunikationsform ausmacht, kommt ihm daher gerade recht. Krischke lernt die Unterscheidung von klassischem und modernem Bildungswortschatz kennen, schwelgt in Wörtern wie Credo oder Simulation und freut sich darüber, dass der Autor bei aller Bildungssprachlichkeit nicht in Häme verfällt, weder gegen die Bildungsdeutschen noch gegen die Umgangssprachler. Was den Tenòr vom Ténor unterscheidet lernt er hier ebenso wie er Wortbildungsmuster und Wortfamilien kennenlernt. Ein Buch für und wider den Zeitgeist, freut sich Krischke.
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