"Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden"? Nicht in den Augen aller Kirchenvertreter des Hochmittelalters. "Es seien die selig zu preisen, die Verfolgung ausübten um der Gerechtigkeit willen", schrieb etwa im 11. Jahrhundert Bischof Bonizo von Sutri. Der Historiker Gerd Althoff belegt in seinem neuen Buch: Diese Ungeheuerlichkeit aus der Feder eines Geistlichen, der eigentlich Barmherzigkeit und Güte predigen sollte, entsprach der Strategie und dem Selbstverständnis des Reformpapsttums. Damals kämpften die Päpste insbesondere mit den deutschen Königen im Investiturstreit um Macht und Einfluss. Christliche Geistliche formten vorgeblich unter Berufung auf Augustinus und andere Kirchenväter die Lehre um, bis sie als normative Grundlage und Legitimation für Gewaltanwendung taugte.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.05.2013
Mit großem Interesse hat Rezensent Bernhard Lang dieses Buch des Münsteraner Mediävisten Gerd Althoff über die Festigung des Machtanspruchs der Päpste gelesen. Um 1140 bemühte sich bereits der Magister Gratianus, kirchliche Gewaltanwendung theologisch zu rechtfertigen. Nach einem knappen Jahrhundert war diese Lehre etabliert: kaum jemand bestritt der Kirche noch das Recht, zur Wahrung der Disziplin und christlicher "Wahrheiten" auch Gewalt anwenden zu dürfen. Mit dem ersten Kreuzzug wurde die Gewalt, die zunächst nur nach innen gerichtet war, auch nach außen angewendet. Alles in allem hat Althoff ein so "gelehrtes wie engagiertes" Buch geschrieben, lobt der Rezensent.
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