Die Karriere des Humanisten Enea Silvio Piccolomini (1405-1464) ist atemberaubend: In nur wenigen Jahren stieg der Verfasser schwül-erotischer Bestseller zum Papst auf, verleugnete sein früheres Leben und setzte sich mit einer literarisch meisterhaften Autobiografie, den "Commentarii", und dem Bau einer neuen Stadt, Pienza, zwei monumentale Denkmäler, wie sie nur in einer neuen Zeit, der Renaissance, entstehen konnten. Der Jurist und Poet Piccolomini ist uns vor allem durch das einnehmende Bild bekannt, das er von sich selbst gezeichnet hat. Volker Reinhardt legt in dieser Piccolomini-Biografie das wahre Leben des Selfmademan frei. Er beschreibt, wie der Ratgeber in Liebesdingen, der ein zynisches Menschenbild propagierte und die päpstliche Allmacht bekämpfte, sich selbst in die Dienste des Pontifex begab und später als Papst eine beispiellose Machtfülle entfaltete.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.01.2014
Die Gefälligkeit siegt in dieser Piccolomini-Biografie des Historikers Volker Reinhardt. Enttäuscht stellt Marina Münkler dies fest, enttäuscht, da der Autor für sie die Chance verpasst, zu zeigen, wie Piccolomini seinen Geltungs- und Inszenierungsdrang mit dem Papstamt vereinte. Dass Reinhardt stattdessen darauf abzielt Pius II. als frivolen Karrieristen zu zeigen, entlockt Münkler ein Gähnen: Bekannt, findet sie. Statt der einfachen Opposition von Wahrheit (seiner eigenen Deutung) und Fiktion (in Piccolominis "Commentarii"), die der Autor aufmacht, hätte sich die Rezensentin eine sorgfältig differenzierende, klar argumentierende Interpretation aus wissenschaftlicher Distanz gewünscht.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.12.2013
Volker Reinhardts Piccolomini-Biografie liest Hans-Albrecht Koch als locker geschriebene Lebensgeschichte eines tragisch gescheiterten Erbauers von Europa. Der Frühneuzeithistoriker entfaltet vor Koch ein Lebensbild des späteren Papstes von der Jugend über wichtige Reisen und Bildungserlebnisse bis zum Plan der Idealstadt Pienza. Wenn der Autor dabei immer wieder Sympathie für den "schillernden Humanisten" und rhetorisch Begabten durchblicken lässt, kann Koch das gut nachvollziehen.
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