Die katholische Kirche ist das größte Kommunikationsunternehmen der Welt. Doch die Pflege der Kirchengemeinschaft ist unter den Päpsten Johannes Paul II. und Benedikt XVI. vernachlässigt worden: Sie weigerten sich, religiöse Klarheit über die neuen Sittengesetze der Zivilgesellschaft zu schaffen. Stattdessen verlegten sie sich auf Propaganda und schließlich Schweigen. Doch Dank der aktiv gewordenen Medienöffentlichkeit wurde nicht nur die umfassende Vertuschungspolitik des Vatikans in Sachen Missbrauch bekannt, sondern auch, dass sich in der Gemeindekirche eine Kultur des Ungehorsams entwickelt hatte, die das Schisma zwischen Papstkirche und Volkskirche offenbarte. Franziskus, dem bewusst war, dass er ein "Feldlazarett" übernommen hatte, hat starke Zeichen gesetzt, um eine Versöhnung der Gläubigen mit dem Papst einzuleiten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.04.2015
Mit Interesse und Skepsis liest Rezensent Jörg Bremer diesen Band, der verspricht, die Kommunikationsstrategie der modernen Päpste seit Pius XI. offen zu legen. Immerhin erfährt er eine Menge über die mit Presse- und Kommunkationsarbeit befassten Institutionen im Vatikan, der ja immerhin eigene Zeitungen und Radiostationen unterhält. Aber so etwas wie eine Kommunikationsstrategie der Päpste hat Bremer trotz der von ihm zum Teil beobachteten Begeisterung der Autorin nicht entdeckt. Und schon gar nicht bei Franziskus, der zwar gerne mal leutselig herumpalavert, aber bei bestimmten institutionellen Vorgängen genauso verschlossen und hierarchisch sei wie seine Vorgänger, so Bremer. So wurden die Protokolle zur aktuellen Synode über Familienpolitik nur auszugsweise veröffentlicht - dafür aber interveniert der Papst gern persönlich, etwa per Video bei einer Konferenz evangelikaler Christen, so Bremer. Die Begeisterung der Autorin kann er also nicht teilen, aber mit anregenden Informationen hat sie ihn offenbar versorgt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.01.2015
Mit Gewinn hat Rezensent Rudolf Neumaier Petra E. Dorsch-Jungsbergers Studie "Papstkirche und Volkskirche im Konflikt" gelesen. Die Münchener Kommunikationswissenschaftlerin analysiere hier die Öffentlichkeitsarbeit unter den Päpsten Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus, informiert der Kritiker, der in dem sorgfältig recherchierten Werk etwa erfährt, wie professionell die PR Johannes Pauls betrieben wurde oder wie desaströs Benedikt mit dem Missbrauchsskandal der Kirche umging. Nach dieser ebenso wissenschaftlichen wie schonungslosen Lektüre weiß der Rezensent, in welch denkbar schlechter Lage sich die Volkskirche in der westlichen Welt befindet.
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