Mit einem Nachwort von Ingo Schulze. Wer in seiner Jugend die extreme Erfahrung politischer Haft und der Abschiebung aus dem eigenen Land - vom Osten in den Westen - gemacht hat, der wird sie nicht wieder los. Welchen Ton Gerald Zschorsch auch immer wählt, den des politischen Radikalen, des trotzigen jungen Wilden, des sanften Liedermachers, des bocksbeinigen Fauns, des Großstadtdichters, immer spürt man die drängende Notwendigkeit seiner lyrischen Sprache. In "Es war einmal eine Frau" sind Gedichte aus vier Jahrzehnten versammelt, die Zschorsch vor allem als Liebeslyriker zeigen. Hart und desillusioniert, zart und sich verzehrend, immer hungrig - die Liebe, der Trieb, die Berührung sind die bestimmende Größe in diesem Band, der sich ganz im Spannungsfeld von Nähe und Distanz bewegt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.05.2012
Auch in seiner Liebeslyrik bleibt der Dichter Gerald Zschorsch sich treu, stellt Rezensent Oliver Jungen anhand dieses Bandes mit der Auswahl von Liebesgedichten aus neun, zwischen 1982 und 2009 erschienenen Gedichtbänden fest. Der DDR-Dissident war, wie der Rezensent mitteilt, für seine Lieder und Gedichte inhaftiert und schon zwei Jahre vor Biermann aus der DDR ausgewiesen worden. Rau, schroff und vor allem kämpferisch gibt sich auch die Sprache, mit der Zschorsch die "Geschlechterwand" attackiert und fern jeder Romantik zum Liebeskampf herausruft. "Reines Sprachhandeln" in aufrüttelnder Konkretion macht der faszinierte Rezensent hier aus. Aber dass hinter diesen Kampfansagen eine große Empfänglichkeit für das "Zarte und Unwahrscheinliche" einer Liebesbeziehung sichtbar wird, lässt Jungen auch nicht unerwähnt.
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