Beate Kellner

Spiel der Liebe im Minnesang

Cover: Spiel der Liebe im Minnesang
Wilhelm Fink Verlag, Paderborn 2018
ISBN 9783770563142
Gebunden, 583 Seiten, 49,90 EUR

Klappentext

Mit 16 farbigen Abbildungen. Der deutsche Minnesang ist eine der wichtigsten Ausprägungen der europäischen Liebeslyrik im Mittelalter. Die vorliegende Monografie unternimmt in vielerlei Hinsicht eine Neudeutung dieser hoch artifiziellen Liebesdichtung. Bis heute finden wir oft ein zu eindimensionales Verständnis von Minnesang, nach dem besonders der Hohe Sang auf ein monotones Kreisen um die Unerfüllbarkeit der Liebe festgelegt wird. Unter der Oberfläche eines Zelebrierens von Idealen kann man jedoch ein breites Spektrum von erotischen Phantasmen, Spielarten des Begehrens, Imaginationen von Rache und Gewalt, Drohungen, Voyeurismus, Liebe und Krieg, selbstquälerische Zweifel und Narzissmus entdecken. Diesen Imaginationen geht das Buch ebenso nach wie den Idealisierungen der Dame, den damit verbundenen Verkehrungen der mittelalterlichen Geschlechterordnung und der Reflexion der höfischen Gesellschaft in den Liedern.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.02.2019

"Die Zwickmühle als Lebensform" sieht Rezensent Wolfgang Krischke im Minnelied besungen: Hier der sehnsüchtige Ritter, dort die unerreichbare Herzensdame, und dazwischen das Lied, das kaum die Macht hat, diese Distanz aufzuheben. Was Beate Kellner in ihrer präzisen wie umfassenden Analyse der Minne-Stars Heinrich von Morungen, Reinmar des Alten und Walther von der Vogelweide zutage fördert, ist für den Rezensenten dennoch aufregend. So ordnet Kellner diesen Autoren nicht nur provokante Texte zu, die ihnen wegen einer kanonisierenden Verklärung bislang nicht zugeschrieben worden waren, sondern findet auch eine ungeahnte Dimension an Spannung und erotischen Abgründen in den Texten, fasst Krische zusammen. Dabei wird deutlich, dass das Minnelied eine Bühne bot für die Inszenierung von gegen gesellschaftliche und religiöse Normen verstoßender Imagination, stellt der Rezensent fest, dem diese "zwischen Realität und Inszenierung verschwimmende Grenze" hochaktuell vorkommt.

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