Der große alte Tragik-Komiker George Tabori erzählt die Geschichte des jungen Györgi Tabori alias George Turner: Der erste Teil, Autodafé, beginnt wie jede ordentliche Familiengeschichte mit der Geburt des Erzählers an einem Sonntag im Mai. Nach und nach tritt die gesamte jüdische Familie auf, die freundliche, stille Mutter, der skeptische, als Journalist arbeitende Vater, der ältere Bruder Paul, der das neue Baby erst mal in die Donau schmeißen will und sich später als Genie im Umgang mit Dichtung und Unwahrheit herausstellt, die in Osteuropa verstreuten Tanten und Onkel, die nicht auf die Warnungen des Vaters hören wollen. Györgi wird zu einer Hotellehre nach Berlin geschickt. Dort lernt er nicht nur mit Tellern zu jonglieren, sondern macht auch Bekanntschaft mit reizenden Damen und den immer unverschämter platzgreifenden Nazis. Im zweiten Teil, Exodus, der erstmals aus dem Nachlass veröffentlicht wird und auf Deutsch geschrieben ist, begleiten wir George auf seinem endgültigen Auszug aus der Heimat: Nach einer meist sonnigen Zeit in London und einer kurzen, umso gefährlicheren Rückkehr nach Budapest mitsamt Duells verschlägt es den Journalisten auf abenteuerlichen Wegen nach Sofia, Istanbul und schließlich nach Jerusalem.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.05.2014
Freudig begrüßt Alfred Schlienger die nun vorliegenden Lebenserinnerungen des 2007 verstorbenen Schriftstellers, Dramatikers und Theatermachers George Tabori, der heute hundert Jahre alt geworden wäre. Er würdigt Tabori als "charmantesten Provokateur des Theaters" und "melancholischen Sonnyboy". Der erste Teil der Erinnerungen (der 2007 auch schon separat erschienen ist) beschreibt für Schlienger liebvoll-ironisch die Familie und Verwandtschaft Taboris, der zweite Teil die Kriegsjahre und Taboris Flucht durch Europa bis nach Jerusalem. Besonders haben ihm die vielen Anekdoten und Pointen Taboris sowie die "doppelbödige Leichtfüßigkeit" des Erzählens. Gern hätte er davon mehr gelesen, insbesondere über Taboris Nachkriegstouren in die USA und seinen Weg zurück nach Europa, doch die Erinnerungen bleiben zu seinem Bedauern ein Fragment.
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