Historisch-kritische Ausgabe mit Faksimiles der handschriftlichen Texte. Herausgegeben von Eberhard Sauermann und Hermann Zwerschina. Das editorische Konzept der Innsbrucker Ausgabe sucht der Eigenart der Entstehung und Überlieferung von Trakls Werk zu entsprechen: Ausgangspunkt bei der Darstellung der Genese sind das Faksimile der Handschrift und die diplomatische Umschrift; sie soll eine Lesehilfe sein und durch die Zeilenzählung alle in einzelne Textstufen unterschiedenen Arbeitsprozesse am Faksimile nachvollziehbar machen. Der Kommentar in der Entstehungs-, Text-, Wirkungs- und Rezeptionsgeschichte sowie in den Einzelstellen-Erläuterungen soll einen Überblick über die Veränderungen von Trakls Texten ermöglichen und neue Zugänge zu deren Verständnis schaffen, nicht zuletzt durch einen Einblick in Trakls Technik der Montage, der Selbstzitate und der Übernahmen vor allem von Hölderlin und Rimbaud; bei privaten wie "amtlichen" Briefen soll ihr Zusammenhang mit Werken Trakls sowie ihr biografischer bzw. literarischer Hintergrund erhellt werden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.02.2015
Friedmar Apel ist von den "Regeln der Textphilologie" für die Erstellung kritischer Editionen merklich verstimmt. Man nimmt sich im Dienste der Wissenschaft auch jene Texte vor, die nie zur Veröffentlichung gedacht waren, präpariert an Fragmenten herum und versucht biografische Kausalketten aufzudecken, erklärt der Rezensent, und die Herausgabe privater Briefwechsel erfüllt ohnehin den "Tatbestand der Indiskretion", findet Apel. Die Herausgeber der kritischen Edition von Georg Trakls Werken und Briefen verraten darüber hinaus noch den immerhin wissenschaftlichen Anspruch, indem sie sich zu allerlei ungedeckten und unergiebigen Spekulationen hinreißen lassen, kritisiert der Rezensent, dem ein "schön gedruckter Text letzter Hand" da lieber ist.
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