Geografie der Gewalt

Macht und Gegenmacht in Lateinamerika
Cover: Geografie der Gewalt
Mandelbaum Verlag, Wien 2022
ISBN 9783854769446
Gebunden, 232 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Timo Dorsch, Jana Flörchinger und Nehe Börries. In Teilen Lateinamerikas hat Gewalt eine scheinbar unaufhaltsame Eigendynamik entwickelt. Die Grenzen zwischen dem Legalen und Illegalen, zwischen Staat und organisierter Kriminalität, verrechtlichtem und rechtlosem Leben verschwimmen. Im Gegensatz zur politischen Gewalt desvergangenen Jahrhunderts hat diese neue Gewalt keine klar erkennbaren Schaltzentren und oft kein erkennbares Ziel. Sie ist expliziter und zugleich undurchschaubarer, lokaler und globaler: scheinbar jede:r kann ihr Akteur oder Opfer sein, vermeintlich überall. Wie können wir die Beziehungen zwischen Ebenen und Orten unserer gewaltsamen Gegenwart denken - vom Körper bis zum Globalen, von Europa zu Lateinamerika? Wo und von wem wird Macht heute organisiert und ausgeübt? Welchen Zweck erfüllt die Gewalt, und wie können wir ihre globale Verstrickung entschlüsseln? Wie können wir über sie sprechen, wie sie darstellen, was dagegen tun? Mit Beiträgen u. a. von Carlos Beristain, Verónica Gago, Anne Huffschmid, Mario Rufer und Rita Segato.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.12.2022

Rezensent Tjerk Brühwiller macht sich auf eine gehörige Portion Kapitalismuskritik gefasst, wenn die Autoren dieses Sammelbands der Gewalt in Lateinamerika auf den Grund gehen. Aber die nimmt er in Kauf. Denn der Band verschafft ihm tatsächlich neue und hilfreiche Zugänge, um die ungeheure Gewalt in so unterschiedlichen Ländern wie Mexiko, Brasilien, Kolumbien und Venezuela zu ergründen. Brühwiller liest hier nach, welche Dynamiken die Gewaltakteure antreiben, wie sich Parallelstaaten etablieren und wie Kartelle und Paramilitärs global verstrickt sind. Besonders hervor hebt er den Beitrag des spanischen Arztes Carlos Martin Beristain, der nachzeichne, wie selbst in den politischen Konflikten immer auch die Kontrolle von Territorium und Bevölkerung maßgeblich war, sowie den Text der brasilianischen Anthropologin Rita Laura Segato, die die Brutalität mit Kategorien der Unterwerfung und Ausbeutung zu fassen zu bekommen versuche.
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