Aus dem Französischen von Astrid Bührle-Gallet. Es ist ein Krieg, den niemand so nennt. In Kolumbien werden jedes Jahr Hunderte von Menschen ermordet, ohne dass die Öffentlichkeit Notiz davon nimmt. Warum musste Maritza sterben? Emilienne Malfatto geht einem Frauenmord an einer sozialen Aktivistin in Kolumbien und der Frage nach, wie es dazu kommen konnte. Sie beleuchtet die Hintergründe, indem sie mit Maritzas Familie und ihren Freund*innen spricht und an die Orte des Geschehens reist - oft unter gefährlichen Umständen. Auf der Suche nach der Wahrheit, gewährt Malfatto einen Einblick in eine Gesellschaft , die von Lügnern und gewalttätigen Männern systematisch unterdrückt wird. Dabei schreckt sie nicht davor zurück, die kolumbianische Regierung, Drogenbosse und die Korruption im Land anzuklagen. Diese literarische Recherche beweist, dass Schreiben die Macht hat, den Tätern nachzuspüren, um den Stimmen der Opfer Gehör zu verschaffen. Ausgezeichnet mit dem Prix Albert-Londre du Livre 2021.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 19.09.2024
Emilienne Malfatto ist eine französische Reporterin, die sich in ihrem Buch das Ziel gesetzt hat, über die Morde an sozialen Aktivistinnen und Aktivisten zu berichten, die sich in Kolumbien seit dem Abschluss des Friedensabkommens häufen, das die Regierung 2016 mit der Farc geschlossen hatte, berichtet Rezensentin Dina Netz. Besonders die Geschichte der Familienmutter Maritza Quiroz Leiva, die 2019 erschossen wurde, ist für Malfatto Dreh- und Angelpunkt des Buches, für das sie zahlreiche, durchaus nicht ungefährliche Gespräche mit (Ex-)Guerilleros, Beamten und Angehörigen der Ermordeten geführt hat und deren bedrängende Atmosphäre sie für Netz greifbar dicht beschreibt. Seit 2016 wird die Situation eher schlimmer als besser, warum, erfahren wir nicht, und auch die Geschichte Maritzas wird angesichts der divergierenden Erinnerungen der Gesprächspartner der Autorin immer verworrener, erfahren wir. Dennoch: eine aktuelle und packende Reportage, lobt die Rezensentin.
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