Wunderkammern in der Renaissance, Schausammlungen und Kabinette im 18. Jahrhundert, Wunderkammern heute - Gabriele Beßler analysiert das historische Phänomen und zeigt, wie zeitgenössische Künstler darauf reagieren und Neues formulieren. Wunderkammern waren nicht nur Sammlungsorte, sondern auch Inszenierungen und eine Form der Weltaneignung. In ihren frühen Ausprägungen des 16. Jahrhunderts fanden sich dort etwa Mechanismen zur Dechiffrierung von Naturgeheimnissen. Wie aber stellte sich das Verständnis von Welt dar und vor allem: wie und wodurch wurde es wahrgenommen? Gabriele Beßler nähert sich der Wunderkammer von einem ganzheitlichen Standpunkt aus. Sie geht der Frage nach, welche Rolle die Konstituierung des Raums einst spielte, um einzelne Gegenstände aus Kunst und Natur in einen Zusammenhang zu setzen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.07.2009
Recht eingenommen zeigt sich Ulla Fölsing von Gabriele Beßlers Buch, das sie als eine "weit ausholende" Untersuchung von Wunderkammern, Schausammlungen und Kuriositätenkabinetten der Spätrenaissance und des Barocks würdigt, eine Untersuchung mithin, die den Bogen schlägt bis zur Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Interessant findet sie besonders die Frage der Kunsthistorikerin nach der Rolle des Raums und der Erfindung des perspektivischen Sehens bei der Inszenierung der Gegenstände aus Kunst und Natur. Sie bescheinigt der Autorin, verschiedene Sammlungen historischer Wunderkammern detailliert zu beschreiben und mit aktuellen künstlerischen Experimenten in Beziehung zu setzen, etwa mit dem von Beßler selbst kuratierten Stuttgarter Galerie-Projekt "KunstRaum Wunderkammer". Dieses macht für die Rezensentin deutlich, "dass alte Erfolgsrezept der Wunderkammern von Verblüffung und Staunen, das mit der Aufklärung außer Mode geriet, selbst in der reizüberfluteten Welt unserer Tage neue Seherfahrungen beschert."
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