Gabriel Gorodetsky

Die große Täuschung

Hitler, Stalin und das Unternehmen `Barbarossa`
Cover: Die große Täuschung
Siedler Verlag, Berlin 2001
ISBN 9783886807093
Gebunden, 512 Seiten, 25,51 EUR

Klappentext

Die Nachricht vom deutschen Überfall erreichte Stalin am 22. Juni 1941 um 3.30 Uhr morgens. Zu dieser Zeit beschoss die deutsche Artillerie schon russische Städte und hatte die sowjetische Luftwaffe bereits vernichtet. Auch jetzt glaubte Stalin noch an einen bloßen Einschüchterungsversuch und zögerte, die Verteidigungspläne ins Werk zu setzen. Erst die fortwährende deutsche Offensive machte ihm klar, dass Hitler den Krieg gegen die Sowjetunion begonnen hatte. In seinem lebhaft diskutierten Buch "Die große Täuschung" zieht Gabriel Gorodetsky grundlegendes, bislang aber geheimes Archivmaterial aus ganz Europa heran, um Stalins rätselhaftes Verhalten am Vorabend des deutschen Angriffs zu erklären und die Hintergründe des Unternehmens "Barbarossa" zu beleuchten.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.05.2001

Nach Gerd Koenen bietet dieser Band durchaus eine Menge Informationen - doch letztlich lasse er den Leser "tief verwirrt zurück". Viele Antworten, die Gorodetsky hier auf Fragen zur Taktik Stalins gibt, findet der Rezensent nicht nur verwunderlich, sondern schlicht nicht nachvollziehbar. So spreche der Autor stets über die 'kühle Realpolitik' Stalins, eine Politik, für die Koenen die Formulierung "halsbrecherische Vabanque-Politik" bevorzugt. Nach Gorodetskys Darstellung erscheine Stalins Politik als eine "bedächtige Politik der nationalen Selbstverteidigung Russlands, zu der es keine Alternative gab". Beides würde Koenen durchaus bezweifeln, ebenfalls fragwürdig findet er die Ansicht des Autors, dass letztlich die Briten schuld an Stalins Zwangslage gewesen seien. Koenen führt in seiner Rezension noch weitere Beispiele ähnlicher Art an, die belegen sollen, dass Gorodetskys Interpretationen in eine sehr einseitige Richtung gehen, und dass der Autor viele Alternativthesen zu wenig gelten lässt. Da hat, wie der Eindruck entsteht, auch die Tatsache wenig genützt, dass der Autor hier viele bisher unzugängliche sowjetische Quellen auswerten konnte.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 29.03.2001

In einer sehr detaillierten Rezension setzt sich Bianka Pietrow-Ennker intensiv mit diesem Buch auseinander, das ihrer Ansicht nach einige Stärken, jedoch auch erhebliche Schwächen aufweist. Beeindruckt ist die Rezensentin zunächst davon, dass Gorodetsky für seine Forschung Zugang zu Archiven erhalten hat, die selbst russischen Wissenschaftlern normalerweise verschlossen sind. Was Gorodetskys Thesen betrifft, so merkt sie an, dass die These des Autors, Hitler habe mit dem Angriff auf die Sowjetunion keineswegs einen Präventivkrieg geführt, keineswegs so neu ist, wie hier behauptet wird. An anderer Stelle findet sie Gorodetskys Thesen bereits überholt, etwa was die Auffassung betrifft, Hitler habe bei seinem Russland-Feldzug die "Beherrschung des Balkans zur Schlüsselfrage gemacht". Pietrow-Ennker bemängelt an mehreren Stellen, dass der Autor wichtige Quellen, Studien und Gesichtspunkte, die seine Thesen nicht unterstützen, außer Acht lässt. Andererseits habe Gorodetsky zu manchen Aspekten durchaus neues Material erschlossen. Insgesamt zeigt sich die Rezensentin jedoch eher enttäuscht von diesem Band. Eine "umfassende Antwort auf die Frage nach dem Charakter der sowjetischen Außen- und Militärpolitik 1939 bis 1941" biete dieses Buch nicht. Darüber hinaus sind, wie sie feststellt, manche Behauptungen des Autors "reine Mutmaßung", etwa was das angebliche Festhalten Stalins an einer Neutralitätspolitik betrifft.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.02.2001

Auch im Osten nichts Neues. Die Vorgeschichte des Angriffs auf die Sowjetunion muss nach Meinung des Rezensenten Klaus Hildebrand nach der Veröffentlichung von Gabriel Gorodetskys Buch nicht neu geschrieben werden. "Umfassend" sei sie schon und so "manches interessante Zitat" werde "zutage gefördert." Aber eben mehr auch nicht, so der Rezensent. Das "Unternehmen Barbarossa" war kein Präventivkrieg und "im Grunde bestätigt Gorodetsky nur, was seit langem bekannt und weitgehend akzeptiert ist". Der Autor unterschätzt nach Meinung des Rezensenten sogar die Komplizenschaft zwischen Hitler und Stalin. Spätestens wenn Hildebrand auf ein bereits 1965 erschienenes Standardwerk verweist ("Hitlers Strategie" von Andreas Hillgruber), wissen wir, dass wir unter Umständen das falsche Buch in den Händen halten.