Herausgegeben von Holden Kelm. Schleiermachers Ästhetik nimmt eine philosophiehistorische Sonderstellung ein: Sie kann als die einzige - systematisch orientierte und ausgeführte - Kunstphilosophie betrachtet werden, die sowohl frühromantische Implikationen aufweist als auch mit den großen Systementwürfen der Zeit im Gespräch ist. Denn sie bezieht sich nicht nur kritisch auf die Konzeptionen von Aristoteles und Baumgarten, sondern ist auch als eine Antwort auf die vernunftkritischen Philosophien und Kunsttheorien im Kontext der Klassischen deutschen Philosophie zu verstehen. Insbesondere geht sie auf die "Symphilosophie" der Berliner Frühromantik zurück und unterhält, wie der Herausgeber in seiner Einleitung nachweisen kann, eine gewisse Nähe zu Hegels Ästhetik.
Schleiermacher hat an der Berliner Universität - nahezu synchron mit Hegel - drei Vorlesungszyklen über die Ästhetik gehalten (1819, 1825 und 1832/33). Der Band bietet die Nachschrift der Vorlesung von 1832/33 aus der Hand des Zürcher Theologen Alexander Schweizer. Diese Nachschrift galt in der Forschung lange als verschollen und wurde erst im Jahr 2014 identifiziert. Sie gibt einen vollständigen Überblick der letzten Ausarbeitungsstufe der Ästhetik durch Schleiermacher.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.08.2018
Rezensent Helmut Mauro begrüßt diese neue Edition von Friedrich Schleiermachers lange verschollenen Vorlesungen über Ästhetik nicht zuletzt wegen der editorischen Brillanz von Holden Kelm. Denn Kelm kennt sich nicht nur mit Schleiermacher gut genug aus, um dessen Werk richtig einschätzen zu können, sondern er weiß auch klug mit den Korrekturen und persönlichen Urteilen von Alexander Schweizer, dem Mitschreiber von Schleiermachers Reden, umzugehen, lobt der Kritiker. Die umfangreiche Einleitung und den ebenso umfangreichen Apparat hebt Mauro ebenfalls hervor. Darüber hinaus erscheinen ihm Schleiermachers Ausführugen zu den psychologischen Prozessen des Kunstschaffens und dessen Konzentration auf das Tun des Künstlers erstaunlich "modern".
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