Friedo Lampe

Septembergewitter

Roman
Cover: Septembergewitter
Wallstein Verlag, Göttingen 2001
ISBN 9783892444497
Gebunden, 151 Seiten, 19,43 EUR

Klappentext

An einem Septemberspätnachmittag vor dem ersten Weltkrieg blicken die Reisenden in einem Fesselballon durch ein Fernrohr auf eine alte Stadt am Fluss hinab. Von oben, wo die Luft klar ist, sieht alles ganz friedlich aus. Aber über der Stadt braut sich ein Gewitter zusammen. Dort lebt eine Frau, die ihren verstorbenen Mann nicht vergessen kann, ein Mädchen wird vorgestellt, das von ihrem ersten Geliebten verlassen wurde, ein schüchterner Junge besteht eine Mutprobe ...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.01.2002

Friedo Lampes "Septembergewitter" ist ein "literarischer Glücksfall", jubelt Bruno Steiger. Er versteht nicht, warum dieser Autor der Vorkriegsgeneration nur unter Schriftstellerkollegen große Anerkennung fand, vom normalen Lesepublikum jedoch kaum wahrgenommen wurde. Die Entscheidung des Wallstein Verlages, Lampes schmales Werk erneut herauszubringen, kann er deshalb nur begrüßen. Schon den Einstieg in den Roman findet Steiger "hinreißend" und schwärmt von den Bildern aus dem Ballon auf die norddeutsche Landschaft, die ein Mr. Pencock mit seiner Tochter übersegelt und die, davon ist er überzeugt, dem Leser im Gedächtnis haften bleiben müssen. Der Autor inszeniere hier eine "in apokalyptischer Erwartung dämmernde norddeutsche Miniaturwelt", erklärt Steiger, denn die Romanhandlung spiele in der Zeit vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges mit den Anzeichen einer sich ankündigenden Katastrophe, für welche die durch das Gewitter bedrohte Ballonfahrt als symbolische Verdichtung zu verstehen ist. Lampe selber habe die Inhalte und Tonlage seiner Prosa selbst als "malerisch, lyrisch, stark atmosphärisch" bezeichnet, weiß Steiger, er selbst nennt die Bilder, die der Autor in "Herbstgewitter" entwirft, "dem Naturgeschehen abgepauste Stimmungsbilder". Das wesentliche Merkmal dieser "suggestiven Prosa" sei die Mischung aus "umgangssprachlichen und liedhaften Wendungen". Als "modern und aufregend aktuell" charakterisiert er die Erzählperspektive mit ihren "raffiniert wechselnden Feineinstellungen". Der nachgestellte Essay des Herausgebers Jürgen Dierking mache das Buch vollends zum Ereignis, schwärmt Steiger abschließend.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.07.2001

Ein Glücksfall der Literatur! Gibt es ein schöneres Lob für ein Buch? Dennoch bleibt Friedhelm Rathjen etwas zwiespältig in seinen Ausführungen zu diesem bereits 1937 erschienen und nun neu herausgegebenen zweiten Roman Friedo Lampes. "Spärlich" nennt er die Handlung, die "historisierende Entrückung" (es fehlen präzise Benennungen von Raum und Zeit) habe zur Folge, "dass alles Stoffliche ein wenig betulich wirkt." Allerdings, so Rathjen, gehe es dem Autor um Handlung, um Stoff auch am allerwenigsten, volkstümlich und schlicht habe er schreiben wollen, aber doch neu in der Form, und das gelinge ihm eben doch denkbar gut, seine Prosa sei einerseits naturalistisch, "wenn es darum geht, verschiedene Dialekte und Sprechweisen einzufangen", andererseits zeige sie einen Gestaltungswillen, "der alle Sprache in Kunst überführt." Am Schluss seiner Besprechung bringt der Rezensent allerdings einen Vergleich, der alle Zweifel beseitigen sollte. "Septembergewitter", heißt es da, sei durchaus lesbar als kleine Variante auf den "Ulysses". Wenn das kein Glücksfall ist.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.07.2001

Friedo Lampe hat ein tragisches Schicksal ereilt, erzählt Rolf Vollmann. Im Mai 1945 wurde der 46-Jährige in Berlin "aus Versehen" von einer russischen Patrouille erschossen, weil er seinem Passbild kaum noch ähnlich sah. Aber nicht nur das traurige Ende des beinahe in Vergessenheit geratenen Schriftstellers hat den Rezensenten fasziniert. Besonders die Sprache, "diese alten schönen und fast betulichen Dative", die Vollmann reichlich zur Illustration heranzieht, haben es dem Rezensenten angetan. Und ganz und gar hingerissen ist Vollmann von Lampes Version der Homerischen Szene, als Odysseus und Nausikaa einander begegnen, die er für die "zauberhafteste" Version überhaupt hält. Klug und kenntnisreich findet Vollmann das Nachwort von Jürgen Dierking, auch wenn er dem Verfasser nicht darin zustimmen mag, Friedo Lampe sei zu Unrecht in Vergessenheit geraten. Vergessen ist für Vollmann niemand, dessen Vergessenheit von anderen beklagt wird.
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