Erste Töchter
Roman

Paul Zsolnay Verlag, Wien 2024
ISBN
9783552075085
Gebunden, 160 Seiten, 23,00
EUR
Klappentext
Karl kehrt nach zwölf Jahren Gulag mit russischer Ehefrau und zwei Töchtern nach Wien zurück. Von dem, was ihm passiert ist, will man im Nachkriegsösterreich nichts wissen. Den "Russen" begegnet man bestenfalls mit Misstrauen. So rasch wie nur möglich und mit allen Mitteln muss deshalb der gesellschaftliche Aufstieg gelingen. Karl lässt sich scheiden, heiratet eine junge Medizinstudentin, zieht nach Deutschland, knüpft zweifelhafte Verbindungen nach Moskau - und trennt seine Töchter. Lara und Luna wachsen fortan in verschiedenen Welten auf: die eine in einfachen Verhältnissen bei der Mutter in Wien, die andere beim Vater und seiner neuen bürgerlichen Familie in München.
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Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.01.2025
Es gibt zur Zeit auffallend viele sehr kurze Romane von Frauen, notiert Rezensentin Marie Schmidt, die einige davon in einer Sammelkritik vorstellt. Einer ist Ljuba Arnautovićs "Erste Töchter ", der dritte Roman der Autorin, der die Familiengeschichte der Töchter eines Wiener Gulag-Überlebenden umkreist. Es geht darin, stark autobiografisch geprägt, so Schmidt, um die beiden ersten Töchter dieses Karls, die ältere erinnert an die Autorin, und um das Verhältnis zur Härte und Kühle des einst in "Stalins Terrormühle" geratenen Vaters, wie Schmidt die Autorin zitiert. Für die Kritikerin liegt die Stärke gerade in der "synoptischen" Verknappung, beziehungsweise in den bewusst offen gelassenen Leerstellen: Die Leserschaft durchlebe auf knappem Raum zwar die Schicksale des Vaters, seiner Mutter, seiner Töchter und mehrerer seiner Frauen, aber den Kern des Schmerzes in Worte zu fassen, nämlich wie genau das politische Trauma des Vaters und seine Folgen in der Familie zusammenhängen, vermeide Arnautović gezielt. Für Schmidt hat das nichts mit einer etwaigen "Bescheidenheit" weiblichen Erzählens zu tun, sondern begründet sich direkt aus dem Thema. Eine prägnante und gelungene Darstellung, vermittelt sie.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 23.11.2024
Ljuba Arnautovic hat einen Roman über eine fast unglaubliche russisch-österreichische Familiengeschichte geschrieben, für den die eigene Biografie Pate gestanden hat, hält Rezensent Helmut Böttiger fest. Der Protagonist Karl ist als Neunjähriger ins sowjetische Exil geschickt worden und musste dort zehn Jahre zwangsarbeiten, wobei er seine erste Ehefrau Nina kennenlernt, mit der er später zurück nach Wien kommt, erfahren wir. Mit einer List lässt er sich scheiden und reißt das Sorgerecht für die beiden Töchter an sich - inhaltlich findet Böttiger das hochspannend und es trägt über lange Strecken. Er kann jedoch nicht verhehlen, dass die betont distanzierte und dadurch eindimensionale Sprache ein echtes Manko darstellt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.09.2024
Rezensentin Sabine Berking staunt, wie viele Schicksale und Heimatverluste in diesen Roman von Ljuba Arnautovic passen. Mit lakonischer Distanz erzählt die Autorin nach ihren Romanen "Im Verborgenen" und "Junischnee" laut Berking weiter von ihrer Familie in den Wirren des 20. Jahrhunderts, von Erlebnissen in der stalinistischen Hölle und der postfaschistischen Zeit in Deutschland und Österreich, wohin es die Erzählerin und ihre Schwester verschlägt. Das Skizzenhafte, Stenografische der Erzählung scheint Berking ebenso zuzusagen wie die emotionale Distanz im Text. Für die Rezensentin bedeutet das mehr Raum zum Interpretieren, und unterhaltsam ist das Buch allemal, versichert Berking.